LESERREAKTIONEN und -BRIEFE
Golem Ausgabe Nr. 18


Zu: Subjekt und Objekt in Mystik, Magie und Aufklärung von Frank Lerch(GOLEM Nr. 12):

Sehr geehrter Herr Lerch
Mit großem Interesse habe ich Ihren fundierten Artikel „Subjekt und Objekt in Mystik, Magie und Aufklärung”, im Golem gelesen. Darf ich dazu ein paar Anführungen anbringen?
Der Ansatz der Aufklärung, sich dank des Verstandes von chthonischer Unwissen- und Wildheit zu befreien, so prägnant und philosophisch geschliffen er auch formuliert wurde, war eine Fehleinschätzung, wie sie typisch für die patriarchale Kultur ist. Und gerade weil das Objekt wissenschaftlich quantifizierbar gemacht werden sollte, brachte die Aufklärung wirklich große Leistungen hervor. Denn je mehr die natürlichen Ereignisse abstrahiert werden, desto mehr muß der Geist mit Erklärungen einspringen.
Sie sagen aber auch zu Recht, daß keine Idee zuvor dermaßen Leid und Zerstörung erzeugt hat, wie die Aufklärung. Dies geschah genau deshalb, weil man versucht hatte, das Yin, die Anima, die Antithese oder wie man es immer nennen will, zu verdrängen. Alles, was in der Natur unterdrückt wird, sucht sich seinen Weg subversiv.
Eine Lebenshaltung der Reflexion auf Kosten der instinktiven Verhaltensweisen geht daher letztlich immer schief, da uns die reflektorischen (lebenswichtigen) Impulse dann in den Rücken fallen (müssen). Denn unser tierisches Wesen ist viel älter als das neokortikale Denkvermögen. Es besitzt die Erfahrung des Überlebens, wie es in der Natur wichtig ist. Die geistigen Vorstellungen des modernen Menschen stehen diesem Anspruch manchmal konträr gegenüber.
Auch in Bezug zu kulturellen Aspekten gesehen, ist es dem Patriarchat zwar gelungen das Matriarchat für ein paar Jahrtausende zu unterdrücken. Mit dem Ergebnis, daß sich das Chaos stets unterschwellig offenbart hat (es gibt dieses seltsame Beispiel der katholischen Kirche, welche ein klassisches Relikt der Patriarchalität ist, wonach die verdrängte Weiblichkeit in Form von irrationalen Glaubensansätzen, Geheimdünkelei, Marienkulten oder wallend-weibischen Gewändern zutage tritt; siehe auch Volker E. Pilgrims Muttersöhne, Claassen Verlag).
Aufklärung sucht Geschichte und wird demnächst zu ihr; eine kontemplative Lebenshaltung (etwa im Zusammenhang mit Yoga-Übungen) entfernt sich von Geschichte, um dem Subjekt die Ruhe im Objekt zu geben. Westliches und östliches Gedankengut fließt zusammen, aber worin besteht die Synthese? Wie finden Magier und Aufklärer zusammen, um einen konstruktiven Weg ins neue Zeitalter zu gestalten? John Locke formulierte den unverrückbaren Beobachter in uns selbst, der unserem Subjekt individuelle Identität verleiht. Wer aber hat diesen Beobachter installiert? Weshalb kann diese Instanz gegenüber den abstrakten Denkmöglich-keiten des Ichs unbestechlich bleiben?
Das geht nur, wenn die unbewuß-ten Reflexe unserer tierischen Natur (=Objekt) und die bewußten Gedanken unseres modernen Verstandes (=Subjekt) eine Einheit finden und bilden, eben die individuelle Persönlichkeit. Diese Einheit ist der Weg der Schöpfung, welcher für jedes Individuum bestimmend ist. Begehen wir den Weg, so sind wir im Sinne der Natur gesund. Versuchen wir auszuweichen, so werden wir durch Entrückungen (=psychische und physische Krankheiten) eines besseren belehrt.
Subjekt und Objekt können demnach im Menschen selbst eine fruchtbare Symbiose eingehen. Voraussetzung dafür ist die Erkenntnis, daß Subjekt und Objekt letztlich eins sind: Der Magier berichtet über diese Grundlage des Daseins vom Inneren her, der Aufklärer beschreibt die Erkenntnisse darüber für das Äußere.
Edward C. Whitmont schrieb in seinem Buch „Die Rückkehr der Göttin” bereits Anfangs der 80er Jahre: „Der moderne Mythos wird nicht mehr von Barden in Königshallen gesungen, nicht von Großmüttern am warmen Kamin erzählt. Er muß aus den Notizen der Journalisten, der Leitartikler, der Sozialtheo-retiker, der Bewerber um politische Ämter zusammengesetzt werden, aus dem, was der Zeitgeist für wahr und selbstverständlich ansieht, was wir uns für ein ‘besseres’ Morgen erhoffen. Diese Erwartungen, Forderungen und Postulate lassen drei Hauptmotive erkennen: die Hoffnung auf Befreiung, das Thema der Erforschung und Entdeckung - der Geheimnisse der Natur (=Objekt/ Anm.d.Verf.) wie des Inneren (=Subjekt/ Anm. d. Verf.) - und schließlich die Wiederherstellung eines Goldenen Zeitalters der Freiheit, Menschenwürde und Erfüllung.”
Menschen gestalten sich ihre Mythen selbst (siehe Platon). Der neue Mythos ist da (siehe www.ixonia.net). Er handelt von der Möglichkeit, daß Objekt und Subjekt vereinigt werden können. Niemand beherrscht den anderen. Weder sind wir dem Objekt der schöpferischen Natur ohnmächtig ausgeliefert, noch muß das Subjekt unseres kritischen Geistes zwanghaft versuchen, stets alles unter Kontrolle zu halten.
Die Frage ist, was bringt’s? Alternativen, Alternativen und nochmals Alternativen. Auf Ihre geschätzte Antwort würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Iksu La Sharo


Zu Texten von W.H. Müller:

Was findet ihr eigentlich an W.H. Müller so toll? Bei aller Liebe und bei allem Respekt vor seinem Wissen, man kann eigentlich so gut wie alles (inkl. Mamas Einkaufszettel) auf einer „cabalistischen Metaebene” betrachten (auch diese Mail) und daraus große Weisheit lesen. Crowley konnte das auch. Allerdings hat er bei der kabbalistischen Analyse von Kinderreimen klargestellt, wie das funktioniert: Die Erleuchtung liegt keineswegs in den Reimen, der Erleuchtete erkennt lediglich in allem die Wahrheit des Seins. Damit möchte ich jetzt nicht behaupten, daß W.H. Müller oder Crowley erleuchtet waren oder auch nicht. Aber als Crowley ähnlichen Mist fabrizierte, hat er wenigstens von Anfang an zugegeben, daß es für jeden anderen als ihn selbst, der größte Mumpitz ist und auch sein muß.
Im Übrigen deuten ja die Initialen von W.H.Müller - ganz ohne Metabene, phonetische Schleiferei nach Gutdünken und etymologische zweifelhafte Spagate - ja schon allein auf einiges Interessantes hin. Nicht nur, daß WHM (End-Mem) den gleichen Zahlwert hat, wie Edom (611) - jenem unheimlichen Land, aus dem Vernichtung für unsere Existenz droht, bedenkt man weiter, daß es unlogisch ist, ein End-Mem zu nehmen, da ja das M in der Vorlage nicht am Ende eines Wortes steht, sondern am Anfang (Müller), dann erhalten wir gar den Zahlwert 51 und dieser spricht für sich selbst: „Failure”, „Versagen” weiß der Kundige Liber 777 Leser dazu zu berichten (WHM - hier kommt ein wenig phonetische Schleiferei zum Tragen - spricht sich ja schnell fast wie WM. WM und Versagen - klingelt’s?). Aber auch eine gelegentliche Schreibweise der Torah hat den Wert 611. Und dreht man 611 um 180° erhält man 119 - Nicht nur 11.9 (911 - Nine Eleven), sondern auch Beelzebub. Und was haben jetzt Edom, Versagen (bei der WM), die Tora, Nine-Eleven und Beelzebub miteinander zu tun? Nichts? - Eben!

Pax Alta by Szandor


Zum GOLEM allgemein:

Liebe Golem-Redaktion
Die Bestellung ist blitzschnell bei mir eingetroffen, so daß ich nur noch ein dickes Lob an euch alle abgeben kann.
Ich habe bisher jede Golem Zeitschrift gekauft, und es bisher noch nie bereut! So ist sie für mich schon zu einem Teil meines okkulten Fundus geworden, und ein Nachschlagewerk für diverse selbstbe-zogene Erlebnisse, denen ich  durch eure Artikel, eine gewisse, zusätzliche, Bestätigung abgewinnen kann. Erfahrungen sind in diesem Bereich sicherlich unumgänglich, aber genauso wichtig ist die Prüfung durch andere Meinungen und Erlebnisse, die zwar oft unterschiedlich geschildert werden, am Ende aber oft eine Art Exkursion der eigenen Erlebnisse wiederspiegelt! 

Liebe Grüße
H.B.


Zu „Vesta und Pales” in der letzten Ausgabe:

Sehr geehrter Herr Cebulla!
Ihr Artikel zu „Vesta und Pales” im letztem „Golem” hat mir besonders gut gefallen, ist er doch eine gelungene Konjunktion wichtiger historischer, mythologischer und magischer Aspekte des gewählten Themenkomplexes. Erwähnt werden muß aber auch der passioniert geführte Dolchstoß in den giftigen Leib der Schlange ... den aufgeblähten Leib des Christentums, jener Solaren Un-Religion, in deren Lichtschein sich eine Schwarze Bruderschaft zu sonnen versucht ... in der Hoffnung über die abgrundtiefe Dunkelheit ihrer suiziden Ego-Absichten hinwegzutäuschen.
Lassen Sie mich noch etwas zu dem Wortstamm PN sagen, den Sie in ihrem Artikel untersuchen. Besonders auf das lateinische „penna”, „Feder”, sei noch einmal hingewiesen und zwar im Kontext eines bekannnten alchemistischen Sinnspruches, der lautet:
PROPRIIS PEREO PENNIS
Übersetzt werden diese Worte mit „ich sterbe durch meine eigenen Federn” und er bezieht sich auf den sogenannten „weissen Schwan”, der laut mancher Alchemisten „gebraten” werden muß. Aus „cygne blanc” wird dann der „cygne roti” für den „Tisch des Königs” (Basilius Valentinus).
Da die Gleichsetzung von „penna” und „penis” von der gemeinsamen Wurzel PN zutreffend ist, können wir diesen Sinnspruch wohl als einen deutlichen Hinweis auf die Praxis des Linken Pfades auffassen, bei der es darum geht — wie im Taoismus und im Lunaren Sufitum — die reproduktiven Energien nicht „ausserhalb” des Organismus — als „weißes” Sperma oder „weisser” Samen — manifest werden zu lassen, sondern sie in einem inneren „Orbit” zirkulieren zu lassen. Dieses führt dann zu dem, was als „Tod im Leben” oder „mors philosophorum” bezeichnet wird und von welchem im Sufitum ganz offen die Rede ist. „Stirb bevor du stirbst” weist auf diese Praxis hin, denn der Adept „stirbt” mit jeder „Feder”, die „in den Himmel” aufsteigt ... mit jedem „unejakulierten” Energie-Erguß, mit jeder erfolgreichen „inneren” Zirkulation oder ROTATION, ganz so wie sich der Pilger in Mekka „äußerlich” um den Stein herumbewegen muß, um den Engel — angezeigt durch eben diesen schwarzen Stein — symbolisch zu erlösen.
Die „Feder”, die das Symbol des Solaren Prinzips ist, ist der Phallus. Penna = Penis. Und dieser Phallus ist das — biologische, genetische — „Schreibgerät”, mit ihm wird eine evo-lutionäre Richtung festgelegt. Alchemie und Magie treffen auf die Genetik und umgekehrt. Evolution gegen Involution, Abkehr gegen Einkehr, Pein gegen Erlösung, Krieg gegen Frieden ... hier unterscheiden sich die Wege, mit denen man im „wahrsten Sinne des Wortes” ... Geschichte schreibt.

Mit vielen Grüßen nach Ascherhütte
Wolfgang Müller


Wir freuen uns auf Eure Zuschriften.
Gundel und Frank

post@golem-net.de

 
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