Kommentar zu Subjekt und Objekt von Frank Lerch/Golem Nr.12:
„Der Yogi macht nicht alle Objekte zu einem, sondern nimmt sich irgend eines und beginnt, es durch Konzentration zu dem einen einzigen Objekt zu machen, dem gegenüber das Subjekt sich sublimiert. Der Yogi will nicht die Welt befreien, sondern nur sich selbst. Da reicht halt irgendein Objekt.” (Subjekt und Objekt in Mystik, Magie und Aufklärung von Frank Lerch): Also Sache ist, daß man immer wieder vor dem gleichen Problem steht, bis man es löst. Dinge kehren zurück, Dinge wiederholen sich. Bis man sie überwindet, auflöst, etc. Deshalb könnte man sagen, daß wir alle Yogis sind im Sinne der oberen Textstelle. Denn wenn ich immer mehr neue Sachen hole, sind diese Sachen nicht neu eigentlich, da ich sowieso drauf programmiert bin mir die Dinge zu holen, sie zurückkehren zu lassen, die ich benötige. Das ist kein Verwässern. Das ist nur eine Suche nach ‘ner Lösung von der anderen Seite (und da das Leben so vielfältig ist, gibt es so viele verschiedene Seiten). Das Problem liegt darin: durch die hohe Geschwindigkeit des Konsums und des Wegwerfens übersieht man Dinge, die der Yogi in Ruhe erkennt. Andersherum: der Yogi (immer noch im Sinne der oberen Textpassage) bleibt stecken und in ‘ner Wüste, kommt nicht weiter.
Orion
Kontakt: baronfeather@yahoo.de
Hallo Golem Redaktion,
zu dem Artikel „Wandlungen des Apollon und des Dionysos” von Frank Lerch (Ausgabe 15; Imbolc 2004) möchte ich folgendes bemerken:
Hier behauptet der Autor, daß eine politische Vormachtstellung der Frau nicht bewiesen und belegt worden wäre. Funde in Catal Yüyük und anderen neolithischen Siedlungen lassen aber was anderes vermuten. Mir ist bekannt, daß einige (auch männliche) Archäologen meinen, sie müssen die Geschichte neu schreiben. Dort fand man Frauenstatuetten in größerer Zahl, männliche Statuetten treten in den Hintergrund. Die Meinung des Autors ist daher nicht zu belegen. Die weibliche Symbolik überwiegt wohl aus gutem Grund. Selbst in unserer Zeit gibt es Völker, die noch im Matriarchat leben.
Und was bedeutet hier überhaupt Vormachtstellung? Wenn damit gemeint ist, daß bestimmte Menschen meinen, sie brauchen noch mehr Geld und Macht ohne Rücksicht darauf zu nehmen, ob andere Kulturen und Lebensweisen zerstört werden bis hin zur Zerstörung unserer Lebensgrundlage, dann könnte der Autor Recht haben. Die Einseitigkeit unserer patriarchalen Gesellschaft mit ihrem linearen Denkschema führt irgendwann zur Zerstörung unserer Lebensgrundlage!
Frauen sind meiner Meinung nach in unserer Gesellschaft genauso wenig gleichberechtigt wie vor 100 Jahren. Wo sind denn die Frauen in der Politik und in den wirtschaftlichen Spitzenpositionen? Was sind da für Frauen? Nur vereinzelt als Quotenfrauen, die ebenso Ellenbogentaktik anwenden wie ihre männlichen Kollegen. Frauen werden nach wie vor unterbezahlt und benachteiligt und das ist kein Hirngespinst. Da klingt es geradezu arrogant, wie in dem Artikel beschrieben wird, daß es nie eine Vormachtstellung der Frauen gegeben hätte. Vielleicht sollen wir das auch so glauben.
Und noch arroganter finde ich es (und das zeigt auch das heutige Frauenbild) wie der Autor von der Venus von Willendorf spricht mit „formlosen riesigen Eutern”. Das ist nicht nur respektlos, sondern nahezu beleidigend, besonders wenn er weiter beschreibt, daß ägyptische Darstellungen „feinen Knospenschmuck” hätten, da diese Gesellschaft erstmals kleine Brüste verehre. Hat er nicht richtig hingesehen und Darstellungen z.B. der Isis mit Brüsten gesehen? Weiterhin beschreibt er Nofretete als Büste mit „strenger, androgyner Erotik”. Nofretete ist alles andere als androgyn. Gerade weil diese Büste aus der sogenannten Amarna-Zeit (Ende 18. Dynastie) stammt, in der selbst der Pharao überspitzt in seiner Körperlichkeit dargestellt wurde. Sie strahlt, meiner Meinung nach, noch nach Jahrtausenden eine sinnliche Weiblichkeit aus, die aber überhaupt nichts mit unseren Modelschön-heiten gemein hat.
Das Schönheitsideal von heute ist unnatürlich und menschenverachtend!
Ägyptische Kunst idealisiert, aber mit unserem von Werbung geprägten Schönheitsideal haben die ägyptischen Darstellungen nichts gemein. Da ging es um etwas anderes, wie der Autor auch hervorhebt.
Das Anderssein der Frau zu akzeptieren scheint unserem Autor auch nicht zu gelingen. Und nicht nur ihm; viele Magier, gerade aus der Crowley-Ecke, zeigen der Frau gegenüber eine herablassende Arroganz, die ich erschreckend finde. Und gerade diese Leute müßten es doch besser wissen!
Selbst in Heidenkreisen scheint sich eine Kunstform durchzusetzen, in der Freyja als Dolly Buster-Verschnitt (Ausgabe 12; Beltaine 2003) dargestellt wird. Ganz klar, mit solchen Darstellungen läßt sich ja heutzutage besser Geld verdienen. Das kennen wir ja aus der Werbung! Wenn das jetzt heidnische Kunst sein soll ...
So wird weiterhin in dem Artikel von Frank Lerch beschrieben, daß in der Genesis beschrieben ein männlicher Gott die Erde und alles andere erschaffen würde. Im hebräischen Urtext hingegen wird in der Genesis von den Elohim gesprochen, die die Welt erschaffen. Bei Luther wurde dieses Wort mit „der Herr” übersetzt. Dieser Gottesname ist allerdings ein weibliches Wort mit männlicher Pluralbildung, daher hätte es richtiger heißen müssen, daß „das Göttliche mit seinen weiblichen und männlichen Aspekten die Welt erschafft” oder so ähnlich. Somit ist in der Kabbala das Weibliche bei der Schöpfung ebenfalls beteiligt. Man denke auch an Binah und Chochmah, die als kosmische Eltern u. a. gelten können. Von ihnen geht die Schöpfung aus. Das dies später im patriarchalen System unter den Tisch fällt, ist klar, da in einem solchen System das weibliche als minderwertig angesehen werden muß. Die ursprüngliche Lehre ist von den Patriarchen verfälscht worden.
Die neolithischen Kulturen sahen die Rolle des Weiblichen noch als elementar an, weil analog zum Schöpfungsmythos es Frauen sind, die die Kinder zur Welt bringen und sie nähren. Daher stellten sie die Göttin mit großen Brüsten und Becken dar.
Mir scheint der Autor hat eine etwas romantisierende, idealisierende Vorstellung vom antiken Ägypten. Unbestritten ist, daß aus dem antiken Ägypten sehr viel Weisheit und Ideen, die sich in der Kabbala und bis in unsere Zeit erhalten haben, stammen. Dennoch muß man sich doch vor Augen führen, daß es in der damaligen Gesellschaft genauso um Macht und Geld bzw. Gold ging wie in unserer Zeit, und die mit Intrigen und Krieg erlangt wurden.
Grüße Adular
Kontakt: adular5@web.deZum Leserbrief von Adular
Es war sicherlich ein dummer Fehler, einen Artikel publizieren zu lassen, dem ein ganzer Band an Erläuterungen vorausgeht und der einen weiteren Band zum gleichen Thema einleitet. In den Vorbemerkungen zum Artikel habe ich den geistigen und literarischen Kontext angedeutet, in dem der Text zu interpretieren ist. Auf dieses Mißverständnis ist sicher einiges, wenngleich nicht alles der Kritik der geneigten Leserin zurückzuführen. Zumindest erklärt er, wie Adular zu der Meinung gelangen kann, ich pflegte ein allzu romantisches Bild des alten Ägyptens. Meine Darstellung ägyptischer Kultur und Ästhetik ist jedoch eindeutig schematisierend, um ein Profil herauszuschälen, das der eigentliche Gegenstand meines Textes sein sollte. Ohne die dem Text vorausgehenden 100 Seiten ist das aber schwer zu realisieren, zugegeben.
Würde es Adular sehr überraschen und weniger verärgern, wenn ich ihr erzählte, daß sowohl die z.T. deutlichen, bewußt polemischen Äußerungen ebenso sehr dem Werk einer Frau entlehnt sind (die in den Vorbemerkungen erwähnte Camille Paglia) wie der auch von anderen geteilte Standpunkt, daß das Finden von Frauenstatuetten in Catal Yüyük und eine nachweisbare politische, d.h. ins Organisatorische reichende Vormachtstellung zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Ähnlich ungenau nimmt es Adular mit der Wahrnehmung politischer Verhältnisse der Gegenwart. Vor 100 Jahren sei die Gleichberechtigung nicht weniger verwirklicht als im Heute? Das moderne Schönheitsideal sei menschenverachtend und unnatürlich? Mag sein, aber wann war es das nicht?
Mir scheint, Adular betreibt hier durchaus das, was sie mir unterstellen möchte: eine verklärende, romantisierende Sicht auf die Geschichte, insbesondere auf die heidnische und die des Matriarchats. Ich wollte in keiner von dieser Welten leben, und wenn mich dies zum Patriarchen stempelt, soll’s mir recht sein.
Wie die Autorin des Leserbriefes aber letztlich glaubt, meine Einstellung und Verhältnis zu Frauen aus einem einzigen kurzen Text eruieren zu können, will sich mir nicht erschließen.
Dennoch: Herzlichen Dank für weitere Anregungen und für die Einsicht in die Gefahr ungezügelten Herausreißens von Text-Teilen.
Geküßt und Verehrt sei der Leib der Göttin,
Frank Lerch
Kontakt: frank-lerch@gmx.de
Liebes Golem-Team,
Zitat von der Golem Webseite:
„Sind die Zeiten von UNICORN, THELEMA und ANUBIS endgültig vorbei? Ist Deutschland nur eine magische Ödnis, in der überall nur okkulte Einzelkämpfer ohne Gemeinsamkeiten ihre Suppe köcheln?”
Bin zuvor bei der Suche nach esoterischen Zeitschriften auf den oben angeführten Satz gestoßen. Leider gibt es im deutschsprachigen Gebiet wenige namhafte okkulte Schulen, außer einigen kleineren thelemischen Kreisen, einer kleinen Anzahl von hermetisch-qabalistischen Gemeinschaften (die eher verdeckt wirken) und zahlreichen orientierungslosen Gruppierungen, die in einer Teenagermentalität die Anwendung der Magie wie aus Kochbüchern zelebrieren.
Amerika scheint in der okkulten Szene den Europäern um Jahrzehnte voraus zu sein.
Dementsprechend gibt es auch wenig traditionelle und trotzdem zeitlose deutsche Literatur, wobei auch esoterische Zeitschriften alles mögliche publizieren, jedoch wenig aus der traditionellen Sparte der Magie, die bis heute in durchgehenden Linien fortbesteht. Viele Trends bleiben Schattenspiele und verblassen ohne viel Aufsehen – so schnell, wie sie auftauchten.
Vielleicht wäre es eurer Zeitschrift möglich, auch die traditionelle Magie mit ihren Thesen zu behandeln.
Liebe Grüße
H. Mirzaie www.occulta.org
Hallo,
in meiner Golem-Ausgabe Nr. 15 lag ein Prospekt vom Arun Verlag.
Nun war ich sehr befremdet, gerade im Golem mit Werbung für diesen Verlag konfrontiert zu werden. Ausführliche Informationen zur Kritik am Arun Verlag, dem Inhaber und dem politischen Umfeld gibt es beim Rabenclan, dessen Archivarius ich bin. http://www.rabenclan.de/container/cont_arun.htm
Bitte schreibt mir Eure Beweggründe für die Versendung der
Arun-Broschüre.
Viele Grüße
malte
Kontakt: malte@argh-it.de
Hallo Malte,
tja es bleibt manchmal nicht aus, mit etwas konfrontiert zu werden, hinter dem man nicht voll und ganz stehen kann, es sei denn man strebt eine allseits bereinigte gesellschaftliche Umgebung an, die einem ausschließlich die Weltsicht anbietet, die man selbst vertritt. Eine solche bereinigte Umgebung würde man im allgemeinen als totalitär bezeichnen und wenn ich es recht verstehe, ist es ja angeblich genau das, wogegen hier protestiert werden soll.
Im Allgemeinen sind uns politische Etikettierungen von links bis rechts ziemlich gleichgültig, weil das alte römische Sprichwort „Teile und Herrsche“ auch heute noch seine Gültigkeit besitzt.
Wir rezensieren seit langem Bücher des Arun Verlags und wir finden manche davon gut und andere dagegen weniger. Auch das ist ziemlich trivial. In unserem persönlichen Leben versuchen wir den Menschen zu sehen und nicht die Meinungen, die über diesen Menschen verbreitet werden, aus welchen Interessen heraus auch immer.
Wir sind desweiteren der Meinung, daß wir gern in einem Land leben möchten, in dem jeder seine Meinung sagen und verbreiten kann, wie er das für richtig hält, auch wenn diese Meinung kontrovers oder indiskutabel oder sonstwas ist und anderen wiederum nicht paßt. Angeblich totalitäre Denkungsarten bekämpfe ich nicht mit Zensur, Diffamierung und Verbot und solange ich meine eigenen Feindbilder in meinem Kopf nicht bearbeitet habe und gerne in den Krieg gegen irgendjemanden ziehe, solange brauche ich mich über die Feinbilder und Kriege der anderen nicht aufzuregen.
All das ist unsere eigene Meinung und keineswegs irgendwie ausschlaggebend für irgendwen oder was.
Dir alles Gute und
Magische Grüße
Frank (Golemredaktion)
Kontakt: post@golem-net.de