Der Golem bei den Maya
Schon seit mehreren Jahren beschäftige ich mich mit einem delikaten Thema und das heißt ALUX (sprich Alusch). Vor 12 Jahren kam ich, als ganz „normaler Tourist”, ins Land der Maya. Damals erfuhr ich von einigen Geistwesen, die hier auf der Halbinsel Yucatan als Alux bezeichnet werden. Wie viele Menschen das auch tun würden, hab ich erst einmal diese Geschichten als Spinnerei abgetan. Aber im Laufe der Jahre wurde mir immer wieder dieses Thema auferlegt und egal wie ich versuchte, mich herauszureden, immer wieder tauchten die seltsamen Geschichten dieser Wesenheiten in meinem Umfeld auf. Eines Tages entschloß ich mich dann, der Sache auf den Grund zu gehen, anstatt ständig auszuweichen. So begann meine „Alux-Forschung”. Zu Beginn stand ich ziemlich alleine da. Bis ich eines Tages auf jemanden stieß, der mir sehr viel über diese Wesen zu erzählen wußte. Dieser Jemand, ich nenne ihn hier der Einfachheit halber Juan, wußte eine ganze Menge über diese Wesen. Juan erzählte mir, daß er als Kind im Dschungel aufwuchs und durch seine engen Kontakte zur Natur, immer wieder mit den Aluxes zusammentraf. In den vielen Jahren meiner „Forschung” kam ich Schritt für Schritt voran und das Bild der Aluxes wurde immer deutlicher. Vor einigen Monaten traf ich einen bekannten Forscher aus Peru, der sein Leben der mystischen Seite gewidmet hatte. Er konnte mir anhand einiger klarer und deutlicher „Beweise” zeigen, daß der allerweltsbekannte Christof Kolumbus mit einer ganz bestimmten „Ladung” in die „Neue Welt” unterwegs war. Der interessanteste Teil dieser Geschichte war, daß auf seinem Schiff auch 26 jüdische Rabbiner waren.
Vor vier Jahren habe ich selbst schon einen ausführlichen Bericht veröffentlicht, der klar und deutlich zeigt, daß es zwischen dem ursprünglichen hebräisch-aramäischen Volk, ganz enge Verbindungen zu den Maya gab (siehe Internetseite, oder auch im Buch: Die unendliche Geschichte der Maya). Daß 26 Rabbiner zu Beginn der „Eroberung” hierher kamen, ließ mich natürlich aufhören. So suchte ich in meinem Wohnort Cancun, ob es hier nicht auch einen Rabbiner gab, der offen genug war, mir helfen zu können/dürfen!? Was ich mir nicht vorstellen konnte, daß gleich der erste Rabbiner auch schon der richtige war – schneller konnte es wirklich nicht gehen. Er war sehr überrascht, von all dem, was ich bereits wußte. Fast alles, was ich ihm über meinen derzeitigen For-schungsstand erzählte, wurde mir von ihm bestätigt. Als wir auf das Thema Aluxes zu sprechen kamen, sagte er mir, ich solle mich mit dem Golem beschäftigen, da würde ich mehr Hinweise finden, wer und was ein Alux sei.
Also machte ich mich auf die Suche nach diesem, für mich unbekannten Begriff. So fand ich die Geschichten, die über diese Golems erzählt wurden und mir wurde sehr schnell klar, daß es sich hierbei eindeutig um die Aluxes der Maya handelt. Jetzt wurde die Sache sehr ernst. Mit diesen Informationen konnte ich losziehen und genauer nachfragen. Zuerst suchte ich Juan auf, um ihn zu fragen, was er noch alles über die Aluxes weiß und mir noch nicht erzählt hatte. Ich berichtete ihm, wie ein Alux geschaffen wird. Überrascht schaute er mich an und sagte: „Hätte ich dir damals erzählt, daß bis zum heutigen Tag noch immer Aluxes geschaffen werden, hättest du mir nicht geglaubt. Aber nun weißt du es selbst.”
Bis zum heutigen Tag – diese Worte ließen mich aufhorchen und ich fragte zur Sicherheit nochmals nach, ob ich mich nicht verhört hatte. Juan erzählte mir, daß in einem Dorf (welches ich hier nicht nennen darf) noch bis zum heutigen Tag diese Aluxes erschaffen werden. Ich fragte, ob es möglich sei, daß ich bei der „Schöpfung” eines Aluxes anwesend sein dürfte. „Versuchs doch einfach,” war sein Antwort. Also zog ich wieder einmal los.
Im besagten Dorf angekommen, stieß ich zu Anfang nur auf taube Ohren – keiner dort wollte angeblich etwas über die Schaffung von Aluxes wissen. Auf dem Dorfplatz traf ich einen alten Mann, der mich ansprach: „Ich habe gehört, du suchst nach den Aluxes,” sagte er zu mir. Zu diesem Moment hatte ich mich schon entschlossen, meine Suche aufzugeben und auf „bessere” Zeiten zu warten. Ich bestätigte dem alten Mann, der ebenfalls Juan hieß, daß ich hörte, daß hier im Dorf nach wie vor noch Zeremonien stattfinden, bei denen Aluxes erschaffen werden. Er fragte mich, was ich denn so alles über Aluxes wußte und als ich ihm all mein Wissen berichtet hatte, sagte er zu mir: „Du hast sehr gute Arbeit geleistet. Tausende von Menschen hier haben noch nicht einmal 5% von dem Wissen, das du hast. Ich will dir sagen, daß wir nach wie vor noch immer mit den Aluxes arbeiten. Bei ganz bestimmten Zeremonien erschaffen wir diese Wesen und hauchen ihnen Leben ein. Die Aluxes haben die Aufgabe, uns und unsere Arbeit (vor allem im Ackerbau) zu beschützen. Dafür kümmern wir uns um sie. Ich will dich aber nicht enttäuschen – solange du kein Maya sprichst und auch verstehst, darf ich dich zu dieser Heiligen Zeremonie nicht einladen. Also lerne und dann komme wieder hierher – du wirst mich auf jeden Fall wieder finden – das garantiere ich dir.”
Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile und Juan erzählte mir sehr viel. Fast alles, was er mir mitteilte, hatte ich bereits schon gelesen.
Für die Erschaffung der Aluxes wird „jungfräulicher” Lehm (Erde) gesucht. Dies geschieht in den Höhlen, von denen es auf Yucatan unendlich viele gibt. Regenwasser wird gesammelt und mit dem Wasser von sieben Cenoten (Naturbrunnen auf Yucatan) vermischt. Dann werden kleine Tonmenschen daraus geformt und in der Sonne getrocknet – durch das Licht der Sonne erhalten sie die „göttliche – universelle” Information, welche diese Wesen benötigen. Erst zu einer ganz bestimmten Nacht ruft der Hohepriester weitere sechs Priester zusammen, so daß letztendlich sieben Menschen anwesend sind, wenn es darum geht, den Tonfiguren das Leben einzuhauchen. Eine Zeremonie, die viele Stunden in Anspruch nimmt und auch die Tage vorher sehr viel Vorbereitung erfordert. In der besagten Nacht werden die alten Heiligen Sprüche gesungen und auch gesprochen. Dann plötzlich beginnen die Figuren zu glühen, als würden sie in einem Feuer stehen. Die glühenden Figuren beginnen zu zittern und die Erde fängt an ganz leicht zu beben. Wer darauf nicht sehr gut vorbereitet ist, rennt spätestens in diesem Moment um sein Leben und das wäre ein unverzeihlicher Fehler. Jeder der wegrennen würde, würde binnen drei Tagen qualvoll sterben und der verantwortliche Hohepriester würde seine „Macht“ verlieren. Deswegen ist es wichtig, daß jeder der Teilnehmer jeden Schritt dieser Zeremonie ganz genau kennt, bevor er bei dieser Zeremonie dabei sein darf. Es wird ausschließlich Maya gesprochen und somit muß jeder Anwesende dieser Sprache auch mächtig sein. Sobald die Aluxes rotglühend sind, steckt ihnen der Hohepriester ein Rohr aus Maispapier in den Mund und haucht ihnen dadurch das Leben ein. Sofort danach ist der glühende Zustand dieser Wesen, von einer Sekunde zur anderen zu Ende und sie beginnen sich zu bewegen. In unverständlichen Lauten spricht nun der Hohepriester zu ihnen und erklärt den Aluxes ihre zukünftige „Aufgaben”. Diese Unterhaltung erfordert ein enormes Wissen des Hohepriesters. Nur ein einziger kleiner Fehler und er verliert die Kontrolle über diese gerade erst erschaffenen Wesen. Danach verschwinden die Aluxes in der Dunkelheit und ihre Körper lösen sich auf. Sie sind ab diesem Moment nur dann zu sehen, wenn sie es selbst wollen, bzw. wenn der Mensch, der ihnen gegenübersteht, den „gewissen Blick” hat. Diesen Blick, so erklärte mir Juan, kann jeder erlernen.
Nach gut zwei Stunden trennten sich unsere Wege wieder. Ich saß alleine im Park des Dorfes und war ziemlich verwirrt. Nachdem ich meine Gedanken wieder gesammelt hatte, bemerkte ich, daß ich gar nicht wußte, wie ich diesen Juan wiederfinden würde. Außer seinem Namen wußte ich nichts von ihm. Egal in welche Richtung ich auch schaute, er war nirgendwo zu sehen. Ich ging in den kleinen Supermarkt, der gegenüber der Parkanlage war und fragte dort nach, ob jemand wußte, wer dieser Juan sei, mit dem ich so lange im Park zusammensaß. Die Frau, die in diesem Supermarkt arbeitete, sah mich an, als wäre ich ein Außerirdischer. Sie versicherte mir hoch und heilig, daß ich die ganze Zeit über, fast bewegungslos und alleine auf der Parkbank saß. Sie war mehrmals kurz davor, zu mir herüberzugehen, weil sie glaubte, es ginge mir nicht gut. Nochmals fragte ich nach Juan, der doch eindeutig mit mir zusammen war. Ich erzählte der Dame etwas von unserer Unterhaltung und dann lachte sie los. „Klar doch, diesen Juan meinst du. Viele aus unserem Dorf kennen diesen Juan. Allerdings ist er schon vor gut 60 Jahren gestorben. Immer wieder tauchen hier Erzählungen über ihn auf. Viele Menschen wollen ihn schon getroffen haben, genau wie du. Aber glaube mir, er lebt schon lange nicht mehr.”
Jetzt war ich noch mehr verwirrt – ich habe mit einem Menschen gesprochen, der schon seit gut 60 Jahren nicht mehr „lebt”. Was bedeutet überhaupt LEBEN?? Gibt es wirklich einen Tod??
Dies ist meine Geschichte, die ich zum Thema Golem beitragen kann. Ich bin mit meinen Forschungen allerdings noch lange nicht am Ende – im Gegenteil – jetzt geht’s erst richtig los.
Wer noch etwas mehr über die Sprache der Maya wissen will, kann diese im Internet nachlesen. Meine Internetseite findet ihr unter: www.mayafreunde.de
Der ausführlichen Bericht: http://www.geocities.com/aleyuc/suyua-tan.html
Einen golemischen Gruß aus Cancun Mexiko Uwe RolliEine Anmerkung zur Rezension von Berthold Röth, betreffend das Buch von Wörrl über Andenschamanismus:
Daß das Ergebnis einer aufwendigen Feldstudie hier kommentiert wurde, finde ich positiv. Allerdings stieß mir das Wort „Ausverkauf” im Zusammenhang mit Schamanismus in den Anden unangenehm auf. Ich meine, daß solche Bemerkungen nicht von hier aus zu äußern sind: Lebt man selbst in einer Kulturform, deren immer noch vorhandener Reichtum – unter anderem auf Kosten der Andenländer erworben - es sowohl dem Bedürftigen als auch dem Bequemen und auch jenen, die meinen, Wichtigeres mit ihrer Zeit anfangen zu müssen als sie der Nahrungssuche zu widmen ermöglicht, in Kombination von staatlichem Langzeitsponsoring mit ein bißchen Zutat dem Überlebensstreß der Ausverkäufer-Kulturen auszuweichen, dann hören sich die Urteile darüber äußerst schräg an. Auch dazulande lernte ich Ausverkäufer kennen, die nicht auf der Straße leben – sie haben noch ein Pappdach zwischen Straße und Berg, und sie haben Familien, die zu ernähren es mehr bedarf als ein Formular auf einem Amt auszufüllen. Jung sind sie daher, weil man in den Andenländern mit 25 Jahren manchmal bereits auf eine 20-jährige Berufslaufbahn zurück blicken kann, in die sich die Tätigkeit als Heiler oder Ähnliches als ein Teil eingliedert.
Was hierzulande nicht verstanden wird ist, daß die viel bewunderte, zugleich materiell und spirituell gebundene Wesentlichkeit solcher Magie, der direkte Zugang zur Energiearbeit, die pragmatische Sicht aller Dinge und nicht zuletzt die Effektivität mit solchen Lebensbedingungen zusammenhängt und unter bequemen Umständen nicht reproduziert werden kann.
Daher hat man auch mehr davon, wenn man als Tourist sieht, wie eine mesa aufgebaut wird als indigniert bewertende Geistesprodukte, aus sicherer Entfernung abgesondert, zu konsumieren.
Der Schamanismus ist weltweit auf dem Vormarsch, und die Kenntnisnahme dessen verdanken wir vor allem dem Luxus hier, diesen Vormarsch dokumentieren und publizieren zu können. Den Vormarsch selbst verdankt er dem Vormarschieren prekärer Lebensbedingungen, die ihn, wie auch den Versuch, davon zu leben, in aktuellen Formen hervorbringt. Schamanismus ist das Produkt der Mobilisierung von Überlebensreserven und war nie etwas Anderes, und das, was hierzulande substantielles Interesse daran ist, zeigt den labilen Gesellschaftszustand an, der sich ins Kritische verschiebt.
Zu den wahrhaftigen Gesichtern dieses Phänomens und des Interesses daran kann der Ausverkauf gehören, in dem Überlebensnotwendigkeit und Sinnsuche verschiedener Arten zusammenfallen. Es ist ein beunruhigendes Phänomen, letztlich nicht voyeuristisch zu goutieren: dort, wo man Schamanismus wahrnimmt, nimmt er ebenfalls wahr, denn seine Geister sehen dich. Seine Immanenz bedeutet, daß du immer schon drin bist, lange ehe der wertende Intellekt durch seine sklerotisch verstopften Kanäle die Tatsache aufnimmt. Seine Präsenz hierzulande – wo immer sie Arbeitshaltung ist – bedeutet, daß wir dabei sind, die Überlebensreserven zu prüfen und zu wägen. Wenn der Überlebenskampf beginnt (nicht in fernen Inkarnationen), werden wir noch kurz über Moralität, Geschmack und Ausverkauf nachdenken. Dann werden wir kämpfen.
Tula von Irminsul
Kontakt: TulaVonIrminsul@web.de
Wir freuen uns auf Eure Zuschriften.
Gundel und Frank post@golem-net.de