LESERREAKTIONEN und -BRIEFE
Golem Ausgabe Nr. 8


Seid gegrüßt!
Ich muß sagen der Golem gefällt mir sehr gut und ich bin froh, daß ich ihn abonniert habe!
Ich hoffe ihr macht weiter so! Inhalt und Stil sind erstklassig. So etwas habe ich lange gesucht!
Doch jetzt möchte ich noch mitteilen, daß ich Kontakte suche zu Magiern und Hexen gleichermaßen zwecks Gedankenaustausch und evtl. Treffen! Wer Lust hat kann mir gerne schreiben!
Grüße an alle Magiebegeisterten!
Blessed be!
Liebe Grüße und ein dickes Lob!
Eure Sshaythiel!


Hallo Gundel und Frank!
Der neue Golem ist wieder sehr gut und schön geworden. Ich hoffe Euch gehen die Sigel fürs Cover nicht aus.
Könnt ihr mir bitte die url des Briefes an die liebe Dr. Laura mitteilen?
Georg

* * *

Hallo Georg!
Sehr guter Wunsch! Das hoffen wir nämlich auch ;-)
Hier findest Du den Text im Original:
http://www.geocities.com/Athens/Oracle/3499/J_fundamentalist.htm
Hier z.B. in den dt. Übersetzungen:
http://www.clifford.at/fun/schlessinger.txt
http://home.t-online.de/home/akrue/dumm32.htm
Die Übersetzung stammt von:
Harald Havas: hh@blackbox.hu
Außerdem gibt es noch einen Verweis auf die Frankfurter Rundschau vom 23.10.2001. Kann sein, daß es dort auch gedruckt wurde.
Liebe Grüße an Dich
G.+ F.


Germanische Magie
Vielen Dank für die freundliche Rezension meines Buches „Germanische Magie“ in Heft 7 des Golem.
Meine Reaktion darauf war das Bedürfnis, einige Hintergründe zu erläutern. So etwas kann passieren, wenn ein Autor eine Pause hat zwischen einem abgelieferten Manuskript und dem Anfang eines neuen Projekts.
1. Als Niederländer sind meine Kenntnisse der deutschen Sprache nicht so, wie sie sind, wenn sie vom Kleinkind an mit dem Brei hereingelöffelt werden. Das erklärt auch das doch etwas einfache Deutsch meiner Schreiberei. Daß es dennoch zu anständigem Deutsch geworden ist mit dann und wann Redewendungen, die man bei einem Ausländer vielleicht nicht so schnell erwarten würde, verdanke ich voll und ganz meiner Frau, die sich viele lange Stunden wiederholt mit der Korrektur befaßt hat. Ich habe während des Schreibens oft zum Wörterbuch gegriffen, meistens mein niederländisch-deutsches Exemplar, manchmal auch zum Duden. In diesem Kontext sollte mein Gebrauch des Wortes ‘primitiv’ auch gesehen werden, in der Wörterbuch-Bedeutung. Damit wird in diesem Zusammenhang ein naturreligiöses Volk gemeint, dessen Zivilisationsstufe - aber nicht dessen Kultur - verglichen mit unserem heutigen Standard niedriger ist. Es ist diese Bedeutung, die ich benutzt habe, und sie enthält weder eine Abwertung, noch Herablassung. Es ist im übrigen auch die kulturell-anthropologische Bedeutung. Die Haltung, primitiv mit minderwertig gleichzusetzen, stammt meines Wissens aus dem Kolonialismus und dem Dritten Reich.
2. Für mich ist Schamanismus die ursprüngliche Form der Magie, so wie es sie bei primitiven Völkern gab. Ich sehe da einen Gegenpol zu der aufwendigen, rituell strukturierten Magie, die aber nicht etwa Qualität oder Effektivität bewertet, sondern hauptsächlich den kulturellen Hintergrund angibt. Eine entpolarisierende Synthese beider Systeme in heutiger Zeit habe ich im Buch versucht anzubieten.
3. Wie in der Rezension bemerkt wurde, habe ich mich bemüht darzustellen, daß staatliche Gesetze zu befolgen sind. Insbesondere innerhalb magischer Kreise ist das kein populärer Standpunkt. Mein Hinweis, daß Kauf und Gebrauch vieler Drogen, die für eine schamanische Trance benutzt werden könnten, rechtlich verboten und nicht zu empfehlen sind, wurde mir schon von mehreren Seiten übel genommen. Gesetzwidrigkeit als soziales Bindemittel für Magier und Schamanen drückt die Magie aber unnötig in eine obskure Ecke, wo sie nicht sein sollte, und trägt dazu bei eine Subgesellschaft von Magiern zu bilden, die ich nicht unterstütze.
Eins meiner Ideale ist es, Magie für die breite Mehrheit der Menschen zugänglich zu machen, (meine Webseiten auf www.boudicca.de tragen zur Realisierung dieses Ideals bei), und gesetzeswidrige Empfehlungen sind dabei m.E. kontraproduktiv.
Außerdem sind ‘verbotene’ Drogen nicht der einzige Weg zu schamanischer Trance, im Buch werden noch viele andere Wege dazu angegeben, die in der Regel legal sind.
4. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die der populären heidnischen Auffassung sind, Karl der Große sei der Zerstörer der Germanen. In diesem Zusammenhang möchte ich auch bemerken, daß die Welle der polemischen Negativität dem Christentum gegenüber, die leider zu viele Heiden und heidnische Organisationen charakterisiert, vielleicht zum Wachstum heidnischer Religionen beiträgt, und die Mitglieder in gemeinsamer Empörung zusammenschmiedet, in meiner Auffassung aber aufrichtigem Heidentum schadet, Konflikte schürt und sogar kreiert, die es oft gar nicht mehr gibt, und eine unnötig ablehnende und agressive Haltung von Anhängern anderer Religionen bewirkt.
Wer die Geschichte der Germanen kennt, der weiß, daß die Germanen sich untereinander vielfach häufiger abschlachteten, als was KdG zugeschrieben wird. Die Cherusker z.B. verschwanden aus der Geschichte, nachdem ein anderer Stamm die ganze Führungselite (Männer, Frauen und Kinder) auslöschte; damit war das Band, das den Stamm zusammenhielt, verschwunden. Ebenso haben Römer und Hunnen auch viel mehr Germanen getötet.
Außerdem finde ich es ziemlich einfältig, wenn dann Arminius (Hermann der Cherusker) gefeiert wird, weil er noch viel mehr Römer den Tod besorgte als KdG Sachsen töten ließ. Diese einseitige Identifizierung, ‘wir gegen die Anderen’ mag ich so nicht. Sie öffnet Ausgrenzungen, Feindschaften, Vorurteilen und Feindbildern den Weg und widerspricht grundsätzlich dem Anspruch heidnischer Religionen, gerade nicht die aggressiven Potentiale für heilige Kriege zu schüren.
KdG war für mich ein schlauer Politiker, der die christliche Religion insbesondere wegen ihrem zentralistischen Charakter benutzte, um ein einheitliches Reich zu formen. Heiden konnte man bei weitem nicht so gut über größere Entfernungen kontrollieren.
Andererseits hat einer der Söhne KdGs wieder Heiden (Wikinger) eingesetzt, um in nördlich gelegenen Reichsgebieten Steuern einzutreiben, weil dann kein Kirchenteil abgetragen werden mußte, denn es war so eine reine Sache zwischen Fürst und heidnischen Lehnsmännern. Also, abhängig vom politischen Ziel wurden Heiden bekämpft oder umarmt.
Es gibt aber einen schwerwiegenderen Grund, weshalb ich KdG im Buch nicht aufgenommen habe; als die Germanenstämme aufgingen in große Reiche (meist Königreiche), konnte m.E. nicht mehr die Rede sein von Germanen im Sinne der Germanischen Geschichte. Und deshalb habe ich mein historische Übersicht dort beendet, wo die Stämme sich zum Großteil aufgelöst hatten. Da im Buch ausführlich begründet ist, weshalb germanische Geschichte aufgenommen wurde, ergibt sich daraus ebenso klar, weshalb die Auflösung der Stämme das Ende des Kapitels bedeutet.
5. Wie in der Rezension bemerkt wird, können die vorgegebenen Rituale und Zuordnungen als Anreiz gesehen werden und damit soll dann die eigene Kreativität gefördert werden. Dennoch ist mit Absicht auch die Möglichkeit gegeben es als magisches Rezeptbuch zu benutzen. Selber Zuordnungen entwerfen, Rituale schreiben oder Anrufungen dichten ist nicht für jedermann/frau realisierbar, und das Buch ist nicht nur für eine intellektuelle Elite geschrieben, die solche Fähigkeiten besitzt. Jeder, der lesen kann und versteht, was mit den vielen Sätzen gemeint wird, kann mit Hilfe des Buches Magie praktizieren, sei es mit viel Selbstentwickung oder durch Anpassung der Vorgaben.
6. Für diejenigen, die sich mit dem Inhalt des Buches, Theorie und Praxis der Germanischen Magie, beschäftigen möchten, gibt es im Internet eine Support-Mailingliste, wo man untereinander diskutieren kann, Erfahrungen austauscht und wo versucht wird, Fragen zu beantworten. Information zur Teilnahme findet man auf der Webseite:
www.boudicca.de/lists-d.htm
GardenStone


Hier nun noch ein Meinungsaustausch zu einer Rezension über den GOLEM, welche in der Zeitschrift „My Way“, Nr. 52 erschien:
Der Golem - Magick Gnosis Metaphysik

„Ein Phänomen ist die esoterische Begeisterung für das angeblich „Ursprüngliche“, „Vorchristliche und „Mystische“.Der Hunger nach Sinngebung, den weder die traditionellen Religionen noch das profane Alltagsleben vieler Menschen zu stillen vermag, schafft hier den Nährboden für alle Arten von modernen Kulten... Bedenklich sind jedoch das oft einseitige kommerzielle Interesse an esoterischen Spekulationen oder gar die politische, germanen-tümelnde Anlehnung an ein vermeintlich „althergebrachtes Erbe der Vorväter.“ (Peter Ernst - Kult- und Opferplätze in Deutschland)
Anhängern magischen Denkens, nordischer Mythen und germanischer Hexerei, die sich für klassische Ritualmagie, formen und Methoden der Bewußtseinserweiterung, Schamanismus, Runen, Neo-Heidentum, Hexen, Alchemie und ähnliche Themen interessieren, bietet das Magazin „Der Golem“ eine Vielzahl an tiefgründigen Arbeiten, Artikeln, Ideen und Praxisvorschlägen. Für Außenstehende eine fremde & seltsame Welt, der man durchaus mit Neugier und Interesse, aber auch mit der gebotenen Vorsicht und Distanz begegnen sollte.

* * *

Werte Redaktion,
vielen Dank für die Zusendung Ihres aktuellen Magazins (Nr. 52) und den Hinweis auf den GOLEM im Rezensionsteil. Unsere anfängliche Freude über ein weiteres Echo, das der GOLEM hervorgerufen hat, wich bei näherem Hinsehen gemischteren Gefühlen und wir möchten diese Zeilen nutzen, ein paar Gedanken dazu zu äußern. Neben einem einzigen, aus unserem eigenen Info-Material zusammengestoppelten Satz zu den Themen unserer Publikation fällt das Augenmerk des Lesers vorrangig auf zwei Dinge, zum einen das vorangestellte Zitat von Peter Ernst, zum anderen die Warnung zum Schluß, uns mit “gebotener Vorsicht und Distanz” zu begegnen. In der Tat sind wir der Meinung, daß damit recht wenig über den GOLEM, umso mehr aber über die weltanschauliche Distanz des Rezensenten zu magischen Themen ausgesagt wird. Nun ist das nicht weiter besorgniserregend und keiner Äußerung wert, denn wir unterliegen - den Göttern sei Dank - nicht dem eitlen Irrtum, daß jeder mit diesen in unserer Zeitschrift veröffentlichten Themen übereinstimmen muß. Vielmehr geht es ja gerade um Offenheit, Diskussion, Austausch und Entwicklung. Was allerdings schon Befremden auslöst, ist die mit Hilfe des Zitates vorgebrachte Unterstellung, der GOLEM wie auch andere vergleichbare esoterische Publikationen wären vorrangig nur dem Kommerz, der “Germanentümelei” und dem Irrtum, es könnte etwas “angeblich” Ursprüngliches geben, dem man nachspüren könnte, verfallen. Es sieht nicht so aus, als wäre Herr Gernand in den 16 Jahren, in denen er MY WAY als subkulturelles Fanzine herausgibt, dabei reich geworden. Die unterschwellig an den Leser weitergereichte Auffassung des Rezensenten, wir wären angetreten, um mit “esoterischen Spekulationen” das große Geld zu machen, löst selbst nach zwei Jahren Redaktionsarbeit am GOLEM nichts weiter als einen Lachanfall aus. Hat man uns mit Hexe Thea, Elisabeth Teizier und dem Horoskop in der Bild-Zeitung verwechselt? Wer selbst schon einmal an einem solchen oder ähnlichen Projekt gearbeitet hat, weiß, daß der betriebene Aufwand, vor allem aber das hineingeflossene Herzblut nicht mit Geld aufzuwiegen sind und daß die meisten der kleineren Magazine in diesem Bereich weit jenseits der Wirtschaftlichkeit arbeiten. Mehr muß man dazu nicht sagen. Vermutlich ist es aber besonders schick, wenn man aus mangelnder Kompetenz keine Sachargumente vorbringen kann, auf die vermeintliche Geldgier zu verweisen. Selbstverständlich wissen wir, daß es im Bereich der Esoterik Scharlatane gibt. Die ganze Gesellschaft, in der wir leben, wimmelt von Scharlatanen. Doch ist im Esoterischen nicht mehr oder weniger gesunder Menschenverstand vonnöten, diese Scharlatanerie zu enttarnen als im Finanz- oder Versicherungsgeschäft, in der Politik, in den Informationsmedien oder bei Staubsauger-Vertretern. Die aufgeklärte Distanz, die Herr Ernst im Verhältnis zum Geldverdienen erkennen läßt, hindert ihn auch keineswegs daran, mit seiner eigenen CD “Kult- und Opferplätze in Deutschland” auf der gleichen verpönten Welle seine Brötchen zu verdienen. Da Herr Ernst desweiteren mit dem erhobenen Zeigefinger eines Oberschullehrers die “politische, germanentümelnde Anlehnung an ein vermeintlich ‘althergebrachtes Erbe der Vorväter’ kritisiert, erlauben wir uns an dieser Stelle - wem auch immer - einmal mitzuteilen, daß es uns, wie auch vielen anderen Schriftstellern, Publizisten, Künstlern, Musikern und Kulturschaffenden in diesem Land zum Hals heraushängt, in eine bestimmte politische Ecke gestellt zu werden, nur weil dies im Moment der political correctness entspricht oder weil man damit am leichtesten signalisieren kann, zum Mainstream zu gehören. Einen für unsere Begriffe ernstzunehmenden magischen Bewußtwerdungsweg zeichnet aus, daß er sich einen feuchten Kehricht um politische Tagesmoden schert, die je nach momentan gefragter Verdummungstaktik wechseln wie das Wetter. Wer meint, er könnte den GOLEM mit leichter Feder in eine bestimmte politische Schublade stecken, hat ihn entweder überhaupt nicht gelesen oder weiß nicht, was er redet. Reicht ein veröffentlichtes Runenritual aus, um als germanentümelnd zu gelten, was auch immer das bedeuten mag? Reicht ein Text über Kabbala aus, uns in Juden zu verwandeln? Stempelt uns ein Essay von Hakim Bey zu linken Anarchisten oder eine Diskussion über ariosophische Ursilben zu Faschisten? Wenn wir wie viele andere Menschen in diesem Land Lust und Nutzen daraus ziehen, unsere Wurzeln und unser “Urerbe” aufzusuchen, brauchen wir keinen Segen von selbsternannten Weltan-schauungspäpsten und Sektenberatern dafür - wir tun es einfach! Genau in diesem Sinne fanden wir die Artikel in MY WAY, die sich sehr kritisch mit Überwachung, Kulturkontrolle, Zensur, “Jägerlatein” usw. auseinandersetzen, unseren eigenen Ambitionen sehr verwandt. Während jedoch für Literaten und Künstler die Schaffung neuer Realitäten und die Kraft des freien Denkens völlig selbstverständlich war und ist, möchte man dies den Magiern und Hexen, den Mystikern und esoterisch Suchenden immer absprechen. Warum? Spielt da auch ein Quentchen Angst eine Rolle, nicht vor den wie auch immer gearteten Minderheiten einer kulturell verfallenden Gesellschaft, sondern vielmehr vor sich selbst? Wir bitten darum, dieses Schreiben nicht als Verärgertsein o.ä. falsch zu interpretieren. Jeder geht seinen Weg und auch wir können uns nur um unseren eigenen kümmern. In diesem Sinne wünschen wir MY WAY weitere fruchtbringende Arbeit und viele diskussionsfördernde Leseräußerungen ;-)
Mit magischen Grüßen
Frank Cebulla

* * *

Lieber Frank Cebulla,
die Golem-Rezension in My Way 52 stammt aus meiner Feder, und so will ich auch persönlich dazu Stellung beziehen.
Ich denke schon, daß mit dem ‘einzigen’ Satz eine Menge über den zu erwartenden Inhalt des GOLEM gesagt ist (jedenfalls genug, um evtl. Interesse zu wecken). Das vorangestellte Zitat von Peter Ernst ist keinesfalls direkt allein auf Eure Publikation zu verstehen - es ging mir nur darum ganz allgemein vor Auswüchsen zu warnen (bzw. auf sie aufmerksam zu machen) und meine Distanz zu verdeutlichen. Außerdem heißt es im Zitat „kommerzielles Interesse“ und nicht „das große Geld“ - und der Hadit-Versand (Kristallkugeln, etc.) und der Hadit-Verlag (Magazin) verfolgen ja wohl ein solches Interesse?! Die Sachen werden ja nicht verschenkt, sondern verkauft.
Wie dem auch sei - Magie und Hexerei sind halt schwierige Themen, die wohl mehr mit Ablehnung und Kritik rechnen müssen, als Kunst und Literatur. Und deshalb gibt es ja wohl u.a. den GOLEM - um aufzuklären. Auf diesem Weg wünsche ich Euch viel Glück!
Mit besten Dank & freundlichen Grüßen
Ulrich Gernand
(My Way-Kulturmagazin)

 
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