| der folgenden Übung möchte ich bewusst auf eine intensive Beschreibung der einzelnen Chakren verzichten. Was Du bereits darüber gelesen hast, soll vollkommen ausreichen. Solltest Du noch nichts über die Art der Energie und die Symbolik, die Farben und die Form der Kräfte gelesen haben: Auch gut. Es geht hier mehr um unmittelbares Erfahren, als um gekonnte Visualisation oder das Abrufen gelernter Inhalte in einer Art Phantasiereise.
Erinnern wir uns nur kurz an die Lage dieser Krafträder im Körper: Das Muladhara-Chakra liegt am unteren Ende der Wirbelsäule, das Svadhisthana-Chakra im Bereich der Genitalien, das Manipura-Chakra in der Nabelgegend, das Anahata-Chakra im Herzbereich, das Vishudda-Chakra am Kehlkopf, das Ajna-Chakra zwischen den Augenbrauen in Höhe des sog. „Dritten Auges“, der lichtempfindlichen Zirbeldrüse, das Sahasrara-Chakra schließlich befindet sich oberhalb der Fontanelle des Kopfes. Die fünf Chakren des sogenannten Tibetischen Systems, von dem an anderer Stelle dieses Buches die Rede ist, entstehen übrigens, indem die oberen beiden und die unteren zwei Chakren zu jeweils einem Chakra zusammengezogen werden. Diese Chakren entstehen an den Knotenpunkten der wichtigsten Energiekanäle im menschlichen Körper: Ida, Pingala und Sushumna. Stelle Dir vor, dass im Muladhara Chakra der Großteil Deiner Energie in den Körper gelangt. Diese Energie steigt dann durch Ida und Pingala durch Deinen Körper auf. Ida und Pingala winden sich um die „mittlere Säule“, den Sushumna Kanal, der vom untersten Punkt der Wirbelsäule (Muladhara) seinen Weg durch alle Chakren bis zum Scheitel (Sahasrara) nimmt. In den Chakren treffen Ida, Pingala und Sushumna aufeinander. Die Nasenlöcher bilden Eintrittstellen in Ida und Pingala. Atme JETZT ein und spüre, wie die Energie durch Deine Nasenlöcher zum Vishudda-Chakra fließt, wo die Energiekanäle aufeinandertreffen. Dann atme ruhig aus. Beim nächsten Einatmen richte Deine Aufmerksamkeit darauf, wie die Energie zum nächst höher gelegenen Chakra fließt und sich dort die Energiebahnen vereinen. Ein Teil der durch das Muladhara aufgenommenen Energie fließt jedoch nicht durch den Körper, sondern verbleibt im Muladhara |
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und wird dort gespeichert, „schläft“ scheinbar vor sich hin. Die dort gespeicherte Energie zu (re-)aktivieren und aufsteigen zu lassen wird als Erwecken der Kundalini bezeichnet. Diese zusammengerollte, schlafende Kundalini-Schlange erwacht und erhebt sich durch den Sushumna-Kanal, steigt auf durch die Chakren, bis sie das Sahasrara-Chakra erreicht.
  Die Übung „Schlangengrillabend“
Das Zusammenschieben der glühenden Kohlen:Setze Dich in Dein Lieblingsasana, der Drachensitz sei hier lediglich eine Empfehlung. Atme ruhig, sammle Deine Aufmerksamkeit und konzentriere Dich auf die Atmung. Wenn Du „in Ruhe“ bist, spanne die Beckenbodenmuskulatur an. Atme ein, schlucke Deinen Atem und drücke ihn mit dem Zwerchfell nach unten, um Energie im Muladhara zu komprimieren. Spüre die Wärme im Muladhara. Das Entfachen der Glut: Entspanne Dein Zwerchfell und die Beckenbodenmuskeln. Atme ruhig und tief weiter, verfolge Deinen Atem mit Deiner Aufmerksamkeit: Beobachte, wie er durch die Nasenlöcher in Ida und Pingala eindringt, Deinen Körper durchfließt und schließlich im Muladhara in die Glut bläst, um diese zum roten Glühen zu bringen. Aufsteigen des Rauches: Durch den Sushumna-Kanal steigt die heiße Luft auf und löst alle Barrieren in den Chakren auf, reinigt den Sushumna-Kanal von Hindernissen und Verhärtungen. Die Luft wird wärmer und wärmer und verlässt durch das Kronen-/Sahasrara-Chakra den Schädel, wie durch einen Schornstein. Entzünden der Flamme: Die Glut wird schließlich so heiß, dass eine Flamme entsteht. Dieses Feuer breitet sich aus und steigt schließlich auf durch Muladhara, Svadhisthana, Manipura, Anahata, Vishudda, Ajna und schließlich schließt eine Flamme aus der Fontanelle und erreicht das Sahasrara-Chakra. Dieses Feuer brennt in allen Chakren nieder, was nicht fest steht, reinigt, befreit, öffnet die Krafträder und macht aus dem Meditierenden eine Feuersäule aus reiner Kraft. Grillspaß oder Erleuchtung: In der Basis dieser Feuerflamme nehme nun die zusammengerollte Kundalini-Schlange wahr. Wie es nun einmal die Eigenschaft von Drachenschlangen ist, kann Feuer ihnen nicht wirklich etwas anhaben. Mit der folgenden Atemtechnik werden wir versuchen, sie „wachzuküssen“: Atme ein und halte die Luft so lange an, wie dies auf eine Dir angenehme Art möglich ist. Stelle Dir vor, dass der Sushumna-Kanal eine Art Magnetismus entwickelt. Alle Energie, die sich um ihn herum befindet, wird in diesen Kanal hineingezogen. Beim Ausatmen drücke alle Energie, die sich in Dir befindet und die Du bewusst steuern kannst an Deiner Wirbelsäule entlang nach unten in das Muladhara. Dort lasse die Energie los, halte kurz die Luft an wie bereits beschrieben und atme erneut ein. Dabei sammle neue Energie in Dir, die Du beim nächsten Ausatmen wiederum an Deiner Wirbelsäule (Sushumna) entlang hinabdrückst. Wiederhole diesen Atemzyklus immer wieder. Schließlich löse den Atemrhythmus auf, es ist nun vollkommen egal, wie Du atmest. Es könnte sein, dass sich der bisherige Atemrhythmus so sehr verselbständigt hat, dass Du ihn automatisch beibehältst; genauso kann es jedoch auch sein, dass Du den Drang verspürst, vollkommen anders zu atmen. Drücke in jedem Fall weiter mit jedem Ausatmen Energie in Dein Muladhara-Chakra. Beobachte, was in und mit Dir geschieht, spüre, wie sich nach und nach ein Gegendruck aus Deinem Muladhara heraus aufbaut und durch den Sushumna-Kanal nach oben drückt. Die Schlange erwacht und erhebt sich durch die Chakren, bis sie aus dem Sahasrara hervorbricht und Feuer speit. Die Kohlen ausglühen lassen: Letzten Endes wird sich die Energie zurückziehen und in Deinem Muladhara zur Ruhe kommen. Vergleiche die Ruhe, die Dich nach einiger Übung mit dieser Technik umfangen wird, mit der Ruhe, die Du erreichst, wenn Du Dich zum Beispiel nach einem anstrengenden Arbeitstag vor dem Fernseher, bei einem guten Buch oder beim Musikhören entspannst. Übrigens: Sollte Dich gelegentlich jemand fragen, ob Du mal Feuer hast: Jetzt weißt Du, was zu tun ist. * * *
Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Autor und Verlag!   |