Olaf Schulze
Götterhämmerung
In welchem Buch findet man durchgeknallte Götter, internationale Geheimdienstagenten, machtsüchtige Neonazis, arbeitslose Hobbyfilmer, schauspielernde Journalistinnen, Kaiser Barbarossa und einen debilen Hund vereint, die wie behämmert nach einem uralten mystischen Hammer jagen? In „Götterhämmerung“, einem irrwitzigen Roman, der mit dem Vorurteil aufräumt, die germanischen Götter wären langweilig oder gar tot.
Die Handlung ist schnell erzählt: Thor, der als Kaiser Barbarossa im Kyffhäuser ruht, weil er am Tode des Kaisers nicht ganz unschuldig ist und so von Odin bestraft wurde, wird mal wieder der Hammer Mjöllnir geklaut. Odin weckt Thor in seiner Höhle, da dieser den Diebstahl verschlafen hat (der Hammer kam abhanden, als die Russen versucht haben, Barbarossa auszubürgern). Gleichzeitig schickt Odin Freyja nach Nordhausen, um dort „In Kogni To“ zu ermitteln, während seine Enkel und gleichzeitig die Kinder Thors Modi und Magni beauftragt werden, sie zu unterstützen. Modi und Magni landen leider in der falschen Zeit und sind schwer damit beschäftigt, herauszubekommen, wann sie sind, während Freyja ihre Deckung platzen läßt, als sie in einer Aufführung von Richard Wagners „Die Walküre“ für reichlich Chaos sorgt, da sie die Darstellung von Wotan und Fricka für blasphemisch hält und kurzer Hand aus ihren Stöckelschuhen Wurfgeschosse macht und dem Darsteller den Mjöllnir klaut. Die Zeitungen berichten hierüber, wodurch die Geheimdienstagenten der Amerikaner, der Briten und der Israelis alarmiert werden und sich auf dem Weg nach Nordhausen machen, um dort zu ermitteln. Nebenbei erfahren die Neonazis hiervon und erhoffen sich, mit der Macht des Hammers ein neues Deutschland aufzubauen und reisen ebenfalls nach Nordhausen. Nach ein paar Verwirrungen und Thors Bemühungen, einen Nachfolger zu finden, der für ihn 300 Jahre in der Höhle liegen soll, weiß zum Schluß jeder, wer den Hammer nun hat und treten zum großen „Showdown“ an der Walpurgishalle in Thale an.
Der Roman unterhält den Leser mit viel Witz, läßt aber meiner Meinung nach etwas an Spannung fehlen. Die Götter werden recht amüsant vorgestellt, ohne jedoch in die Tiefe gehen zu wollen, was aber auch nicht in der Absicht des Autors stand. Gekonnt wird hier der anglosächsische Sprachimperia-lismus, der in der deutschen Sprache Einzug hält, angeprangert, indem der Autor die alten Götter die eingedeutschten Wörter so aussprechen läßt, wie sie es vermutlich tun würden.
Das Erstlingswerk von Olaf Schulze erzählt ein irrwitziges Abenteuer, das dem Leser amüsant unterhält, ohne dabei groß nachdenken zu müssen. Ein witziger Fantasy-Klamauk, das mit allen Genres spielt und dabei keines ernst nimmt, ein Buch, welches sich bestens zur Abendlektüre nach einem anstrengenden (oder auch nicht) Tag eignet.
H. Kliemannel