Cover Carl Gustav Jung

Paracelsus

Alchemie und die Psychologie des Unbewußten

Der ursprünglich kleine esoterische Verlag, bekannt für seine Tarot- und Traumbücher, hat sich in den letzten Jahren der Psychologie zugewandt und überrascht mit manchen Veröffentlichungen. Der Schritt diese Thematik zu publizieren ist leicht nachvollziehbar. Ist es über Tarot und Träume ja auch nur ein kleiner Schritt zu Archetypen, zum Unbewußten und damit hauptsächlich auch zur Tiefenpsychologie, die sehr von Jung geprägt ist. Nach einer ersten Biografie über C.G. Jung (siehe Rezension im Golem Nr.7) folgen mittlerweile eigene Werke des großen Psychologen, der eigentlich zum Vertreter eines modernen Gnostizismus zu zählen ist. Eines seiner eigenen Vorbilder war der mittelalterliche Paracelsus, der eine tiefe Symbiose zwischen Christentum und Heidentum lebte und bei dem Jung viel Übereinstimmung zwischen Alchemie und der Symbolwelt des Unbewußten entdeckte. Im vorliegenden Buch sind erstmals die drei Aufsätze Jungs über Paracelsus versammelt, wobei eigentlich nur der dritte "Paracelsus als geistige Erscheinung" bedeutsam ist. Bei den beiden anderen handelt es sich nur um kürzere Ansprachen zu Feierlichkeiten im Zusammenhang mit Paracelsus. Dennoch recht verdienstvoll diese dem Haupttext zugegliedert zu haben. Intensiv geht Jung auf die Magie bei Paracelsus ein, der diese für ärztliches Handeln grundlegend fand und damit in Konfrontation zur etablierten Ärzteschaft stand, die ihn als dämonischen Zauberer verketzerten. Paracelsus scheute sich nicht Praktiken der Hexen mit der höheren Alchemie zu verknüpfen, deren Arkanphilo-sophie ja aber nichts anderes war als die heidnischen Vorstellungen nach dem Sieg des Christentums unter Konstantin am Leben zu erhalten. Sehr viele der damaligen alchemi-stischen Anrufungen erinnern stark an die "Griechischen Zauberpapyri" (siehe Rezension im Golem Nr.7) und Jungs Erläuterungen bieten deswegen auch eine sehr gründliche zeitgenössische Kommentierung dieser Thematiken. Sowohl die Bestrebungen der Alchemisten wie auch die Individuation Jungs sind nichts anderes als der Versuch Unsterblichkeit zu erlangen.
(B. Röth)

Erschienen ist das Buch im Königsfurt Verlag 2002
ISBN 3-933939-84-4
14,90 Euro

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