Liebe LeserInnen des GOLEM,

"Es würde manches besser gehen, wenn man mehr ginge", schrieb der heute fast vergessene österreichische Schriftsteller und Maler Adalbert Stifter (1805 - 1868) und meinte es ganz wörtlich im Sinne der förderlichen Wirkung des Wanderns auf den Mensch im speziellen und die gesamte Gesellschaft im allgemeinen. In einer merkwürdigen Kohärenz finden wir dieses Thema des Gehens als Ausdruck einer auch persönlichen Weiterentwicklung in nicht wenigen Bereichen des modernen magischen Denkens wieder. So interpretierte Aleister Crowley das ägyptische "Schlüssel"-Symbol Ankh ˆ als Sandalenriemen, den sich der suchende Adept umschnallen müsse, um auf dem Pfad der Selbst-Veränderung und -Vervollkommnung fortzuschreiten und sprach zudem mit Abscheu von den "schwarzen Brüdern", deren einziges Begehren darin bestünde, so zu bleiben wie sie sind. Zwar verdrängte er durch diese Abwertung seinen eigenen "schwarzen" Charakter, aber dieses beständige Fortschreiten und der Begriff des Pfades sind entscheidende Variablen für Zauberer, Magier und Hexen aller Couleur geblieben. Auch im philosophisch-magischen Satanismus, der mehr ein Setianismus ist, steht diese Fort-bewegung des sich selbst entwickelnden Individuums im Mittelpunkt, ausgedrückt durch Xeper oder Kephra, den Käfer der ägyptischen Mythologie, der sich nicht nur angeblich selber aus dem Mist erschaffen kann, sondern seine Kugel endlos schiebt - eine Kugel, die manche okkulten Traditionen mit der Sonne gleichsetzen. In den Lehren Don Juans, die in den Büchern Carlos Castanedas aufgezeichnet sind, befindet sich der schamanische Krieger stetig auf der allegorischen "Reise nach Ixtlan", eine Reise, die kein Ende hat und die größtenteils von einer Sehnsucht angetrieben wird, die wir selbst, wenn wir ehrlich sind, ganz genauso in unseren Herzen spüren. Nicht ohne Grund gelten noch heute die Zigeuner - das fahrende Volk par excellance - als besonders bewandert in zauberischen Dingen. Wie kraß die Dissonanz zwischen diesem magischen Gehen und Reisen und dem aktuellen Zeitgeist ist, zeigt ein Blick auf die aktuelle Weltpolitik genauso wie in die Schulen, Universitäten und Großraumbüros, wo Tag für Tag Menschen stundenlang zum Sitzen gezwungen werden, gebunden an einen genius loci, der wenig mehr als ein vampirischer Seelenfresser ist.
Zu Samhain, dem alten keltischen Ahnenfest, das nicht nur den letzten Gang (in den Tod) feierte, sondern als Neu-Jahr gleichzeitig Wiedergeburt und Wendepunkt versinnbildlichte, möchte ich zu diesem Blick auf das eigene Gehen einladen. Nicht nur mit den Themen dieses Golems, die auf eine spezielle Art fast alle Reise-Empfehlungen sind, sondern vielleicht ganz profan in Form einer langen windigen Herbstwanderung, die den Geist wieder aufatmen läßt, das Blut erfrischt und die alten Klamotten mal so richtig durchpustet.
Auch der HADIT-Verlag wird in diesem Herbst einen Schritt weitergehen und deshalb legen wir Euch nicht nur diese neueste Ausgabe des GOLEMs ans Herz, sondern unsere ersten zwei "richtigen" Bücher, die wir noch bis Ende diesen Jahres verlegen werden (Infos dazu im Heft oder auf der Verlags-Seite: www.hadit.de).
Einen stürmischen Herbst, der es vermag, viele alte Blätter hinwegzufegen,

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"Es gibt viel zu verlieren, du kannst nur gewinnen, genug ist zu wenig,
oder es wird so wie es war. Stillstand ist der Tod, geh voran, bleibt alles anders,
der erste Stein fällt aus der Mauer, der Durchbruch ist nah."
Herbert Grönemeyer - Bleibt alles anders


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