Titel

Das systemische Familienaufstellen nach Bert Hellinger hat in den letzten Jahren eine steile Entwicklung gemacht. Aus einer therapeutischer Nische heraus hat die Aufstellungsarbeit der Reihe nach in jeder gegenwärtigen Psycho- und esoterischen Richtung Fuß fassen können. Mittlerweile gehört diese Arbeit zum Ausbildungsangebot der verschiedensten Therapeutenschulen, sowie längst zum Managertraining oder betrieblichen Organisationsaufstellungen in Firmen, auch fehlt sie nicht in den Ausbildungen der Tantra-Schulen und seit kurzer Zeit hat sie auch die schamanistische Ecke erreicht. Bei all der Euphorie und durchschlagenden Erfolge steht die Aufstellungsarbeit kurz davor als eine der wenigen therapeutischen Formen neben der klassischen Psychoanalyse, der Gesprächs- und der Verhaltenstherapie offizielle staatliche Anerkennung zu finden und damit von den Krankenkassen mitgetragen zu werden.
Kritik gab es so gut wie keine, abgesehen von den Feministinnen, die Hellinger patriarchalische Denkgebäude unterstellen. Was nicht einmal so falsch ist... Hellinger ist systemorientiert und das System ist nun mal patriarchalisch. Vergewaltigung verschweigt man besser, findet sich innerlich mit ihr ab, verzeiht dem Täter und achtet ihn für das Gute das dahinter stecken mochte und spricht nicht mehr darüber. Solche Beispiele ließen sich endlos fortsetzen, man braucht nur die biografischen Ausführungen von Hellinger selbst zu lesen und stößt auf einiges das Unbehagen bereitet.
Ich stand der Aufstellungs-Euphorie lange Zeit ebenso skeptisch gegenüber. Mich machte es mißtrauisch in welchem Eifer und mit welchem Erfolg eine “Szene“ nach der anderen von den Aufstellern okkupiert werden konnte. Ich fragte mich, was dahinter steckt, welche Energie und Kraft diese Fähigkeit innehaben kann. Zumal kommt Hellinger auch nicht aus der herkömmlichen Therapieszene, sondern ist ein quereinsteigender ehemaliger christlicher Theologe.
Meine Skepsis beruhte vor allem auf der völligen Nichtbeachtung aller therapeutischen Erkenntnisse, die man in den letzten hundert Jahren gewonnen hatte. Keinerlei biografische Traumata oder persönliche Entwicklung wird aufgearbeitet und analysiert, keinerlei Übertragungsprojektionen finden Beachtung. Wenn Stellvertreter die Stimme erheben wird das als wirklich hingenommen, wobei nach allen Erkenntnissen doch auf jeden Fall Projektion eine Rolle spielen müßte.
Voodoodance 1 Als dann im letzten Jahr die von mir als “Infiltration“ der schamanischen Arbeitsweisen empfundenen Forschungen an die Öffentlichkeit kamen – die sogenannten “Bewegungen der Seele“ – kam zuerst in mir klammheimliche Freude auf. Jetzt spricht man nicht nur offen davon mit Toten zu reden, sondern geht auch davon aus, daß diese ebensolche Heilung bei den Aufstellungen erfahren wie die realen Betroffenen. Ich freute mich darüber, daß - wenn das ins gesellschaftliche Bewußtsein durchdringe – es wieder Schluß wäre mit der Anerkennung durch das System, vor der die Aufstellungstherapie nun mal steht. Auch erschien es mir schlüssig, daß Hellinger ein Opfer seines eigenen Systemdenkens werden dürfte. Obwohl er jeden “Guru“ und “Messias“-Nimbus ablehnt, scheint er offensichtlich doch als ehemaliger Theologe mit diesen Energieformen zu liebäugeln. Und dann wird es zwangsläufig auch den Judas geben, nämlich die Schüler die vor der Frage das Bekenntnis zum Glauben an Geister abgeben zu müssen doch aus systemimmanenten Überlebensdenken abtrünnig werden und sich von ihrem “Meister“ distanzieren.

Um denjenigen unter den Lesern, die mit Familienaufstellungen nicht vertraut sind, ein Verständnis für den Ablauf zu geben, versuche ich kurz eine Aufstellung darzustellen. Innerhalb eines Seminares kommen Menschen, die sich fremd sind, zusammen und derjenige, der aufstellt, schildert der Seminarleiterin einen seiner persönlichen Konflikte. Dann wählt er Personen aus der Gruppe aus, die seine Familienmitglieder – Geschwister, Eltern, Tanten, Onkel, Großeltern etc. – vertreten. Diese können noch leben oder längst verstorben sein. Auch wird ein Vertreter seiner selbst gewählt und mitaufgestellt und man bleibt in beobachtender Position, wie dieser agiert. Im weiteren Geschehen, das man nicht wirklich beschreiben kann, sondern erlebt und erfahren werden muß, finden energetische Veränderungen statt. Die aufgestellten Personen beschreiben ihre Empfindungen und während der Aufstellungen werden immer wieder ihre Positionen im Raum und zueinander verändert. Es ist sehr erstaunlich was sich dabei entwickelt und wie spürbar eine Eigendynamik stattfindet, die jeden – Zuschauer, Aufsteller wie auch die agierenden Aufgestellten – auf überraschende Weise erfaßt. Meist kommt es zu sehr emotionalen und rational nicht erfaßbaren Entwicklungen und unerwarteten Lösungen. Erst am Ende wird derjenige, der aufstellen läßt, in das Geschehen hineingenommen und nimmt den Platz desjenigen ein, der ihn bis dahin vertreten hat. Interessant vor allem bisher ist, daß die energetischen Veränderungen, die auf Heilung und Verständnis und Verzeihen können hinauslaufen auch in der Wirklichkeit ihre Entsprechung finden. Zum Beispiel ist es oft so, daß zerstrittene Personen, die nicht anwesend waren – aber aufgestellt wurden – sich ohne von dem Geschehen zu wissen hinterher tatsächlich bei denjenigen die aufstellen ließen plötzlich melden und einen lange gärenden Konflikt von sich aus bereinigen. Dies bestätigen unzählige bisherige Teilnehmer von Aufstellungsseminaren.
Da das Familienaufstellen aus der Systemischen Therapie her kommt ist das System, welches Hellinger bekannt gemacht hat, nicht auf Familiendynamiken beschränkt, sondern läßt sich auf jede Art von Systemen übertragen. Deswegen findet es besonders in Organisationen und im Management – also überall wo Beziehungen wichtig sind – seine Anwendung.

Inzwischen hat sich meine Einstellung zur Aufstellungsarbeit verändert. Ich sehe es nicht mehr aus der therapeutischen “Brille“, sondern habe erkannt, daß es um etwas ganz anderes geht. Es ist tatsächlich eine reine Form des Schamanismus, die selbstverständlich Geister miteinbezieht und deswegen auch nur aus solcher Sichtweise heraus betrachtet werden Voodoodance 2darf. Die Bewegungen der Seele sind nichts anderes als die längst verlorengegangene Fähigkeit Energiekörper und Strukturen wahrzunehmen. Seit dem Mittelalter wurde das verfolgt und als Aberglaube abgetan. Nun steht es vor der Wiederentdeckung. Um 1000 n. Chr. glaubte noch der Bischof Burchard von Worms, daß jeder Mensch mehrere “Seelen“ besäße. Dies ist eine rein atavistische Ansicht, die Lebensprinzipien umschreibt. Auch die Germanen wußten noch, daß eine äußere Seele existiert, sie nannten sie hamr, und diese wurde in den lateinischen Texten mit animus oder spiritus umschrieben. Damals wußte man genau, daß solch ein “Astral-Körper“ den Schlafenden im Koma, in Trance oder bei schwerer Krankheit verlassen kann und in der Gestalt eines Menschen oder eines Tieres ihrer jeweiligen Bestimmung nachgehen. Die Geistlichen und Gelehrten des Nach-Mittelalters verstanden diese Phänomene nicht mehr, sahen sie doch mit eigenen Augen den realen Körper vor sich, und deswegen schrieben sie die Berichte von Personen, bei denen das “Zweite Ich“ wieder in den Körper zurückgekehrt ist, dem Blendwerk und der Zauberei der Dämonen zu.
Dies alles geschieht heutzutage wieder in der Aufstellungsarbeit. Im Grunde findet das gleiche statt wie in jeder klassischen Voodoo-Zeremonie. Es werden Geister und Verstorbene angerufen, eingeladen und Stellvertreter stellen sich zur Verfügung. Wie auch im Voodoo die Götter und Loas gerufen werden und in die dafür bereitwilligen Personen einfahren, die ihren Körper zur Verfügung stellen. In beiden Fällen handelt es sich also einwandfrei um Besessenheit und beide Systeme funktionieren 1 : 1 miteinander.

Anscheinend drückt sich in jeder Zeit die Auseinandersetzung mit Energien und Geister auf neue zeitgemäße Art aus und kommt an die Oberfläche. Auch der heutzutage als “Spiritismus“ abgewertete Geisterglaube des vorangegangenen Jahrhunderts hatte damals ja alle gesellschaftlichen Schichten erfaßt und galt als seriös, bis sich irgendwann merkwürdigerweise die Phänomene nicht mehr einstellten. Ob das mit den Aufstellungen auch so sein wird, daß eines Tages die Ergebnisse nicht mehr so einfach zu erzielen sind wie noch gegenwärtig bleibt abzuwarten.

Anhand einiger Neuerscheinungen möchte ich im folgenden die aktuelle Auseinandersetzung und Forschung in der Familienaufstellungsszene beschreiben und auch Interesse dafür erwecken, was da gerade neu zutage tritt.

Buchcover Der erste Titel Liebe am Abgrund. Ein Kurs für Psychose-Patienten ist von Bert Hellinger selbst und noch ganz in der herkömmlichen Art der Aufstellungsbücher verfaßt, d.h. sein Inhalt sind abgedruckte Protokolle des Seminargeschehens. Genau dies macht es dem mit der Arbeit ansonsten nicht vertrauten Leser auch schwer den Zugang zur Methode überhaupt zu finden. Interessant ist es dennoch allemal, da hier mit der in jüngerer Zeit entstandenen Arbeit, den “Bewegungen der Seele“ gearbeitet wird, die erst wirklich den Zugang zu der im Hintergrund wirkenden Familiendynamik und zu tiefen heilenden Bewegungen entwickeln. Gerade sie ergänzen das bisherige Familien-Stellen und bringen auf tiefe Weise in Verbindung mit Kräften, die das Persönliche weit übersteigen und über die Grenzen des persönlichen und kollektiven Gewissens herausführen. Gerade bei verleugneter Schuld Vorangegangener gerät ein nachgeborenes Familienmitglied unter der Triebkraft des kollektiven Gewissens in den Sog, das Schicksal des Opfers und des Täters gleichzeitig aufzunehmen und im eigenen Leben zu repräsentieren. Die daraus resultierende Verwirrung kennt man dann als Psychose. Und besonders da es völlig unklar war wie Psychose-Patienten solche Kurse seelisch verkraften würden ist das vorliegende Protokoll eine spannende Lektüre.
Zudem werden fürs Handwerkzeug zum Erkennen von Geistern und Toten erklärende Hinweise gegeben, z.B. kann man das Erscheinen eines Verstorbenen erkennen, wenn einer der Stellvertreter auf den Boden schaut. Wenn die Stellvertreter dann in eine Bewegung kommen, die sie nicht selber mehr steuern, ist diese die “Bewegung der Seele“. Eigentlich der typische Besessenheitszustand.
Diese Arbeit mit den Bewegungen der Seele verlangt hohe gesammelte Aufmerksamkeit, den Abschied von gewohnten Vorstellungen, den Verzicht auf Steuerung von außen, die Bereitschaft, sich von dem im Augenblick sichtbaren leiten zu lassen und sich Unbekanntem anzuvertrauen. Die “klassischen“ Aufsteller sind selber von der Entwicklung ihrer Arbeitsweisen irritiert, besonders da sie sich auf “irrationale“ Ebenen begeben. Sie wissen, daß sie erst vorm Eingang eines völlig unbekannten Raumes stehen. Dieser Raum schließt die Lebenden wie die Toten gleichermaßen ein. D.h. nicht nur die Lebenden müssen ihr Schicksal auf sich nehmen, auch die VoodooToten müssen es tun. Wenn die Toten ihre Schuld anerkennen verlieren sie ihre Anhaftung an die Lebenden. Das sind alles sehr gewagte Aussagen, aber um heilende Lösungen zu entdecken, gehen die Aufsteller dieses Wagnis derzeit ein.

Familienaufstellen ist aber keine Erfindung von Bert Hellinger, auch wenn das in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Es gibt unzählige Systemforscher weltweit, die unabhängig zu sehr ähnlichen Erkenntnissen gelangten. Hellinger ist nur der bekannteste, da er sich und diese Methode am besten zu vermarkten wußte. Eine herausragende Persönlichkeit ist auch die französische Professorin Anne Schützenberger, die auf eine 40jährige Praxis als Therapeutin und Analytikerin zurückblicken kann. Sie ist eine klassische Verfechterin der Lehren von Sigmund Freud, war aber darin glücklicherweise nie so dogmatisch daß sie nicht offenen Herzens all die Entwicklungen beobachtete, die in der mittlerweile bereits hundertjährigen Geschichte seit dem Beginn der Psychoanalyse stattgefunden haben. So bildete sie sich neben der traditionellen Analyse auch in Psychodrama und Familientherapie aus. In ihrer Forschung hat sie entdeckt, daß weit zurückliegende traumatische Ereignisse im familären Unbewußten über mehrere Jahrhunderte weitergegeben werden können, so als sei das Trauma in einem zeitlosen Raum aufbewahrt und immer “sprungbereit“ sich zu manifestieren. In einem von ihr entwickelten aufwendigen Genosozioprogramm, das die Stammbäume und Familienschicksale berücksichtigt, gelang es ihr unglaubliches aufzudecken. Oft tritt dabei das Jahrestags-Syndrom auf, d.h. bestimmte Dinge wiederholen sich Generationen später auf den Tag genau. Das merkwürdigste ist, daß die Betroffenen nichts von den früher ereigneten Geschehnissen wissen. Es sind Gedächtnisspuren, die niemals erzählt wurden, die immer unausgesprochene Geheimnisse waren. Wie das funktioniert weiß sie auch nicht zu erklären, sie kann es allerdings aufgrund ihrer Arbeiten belegen. Es stellt sich die Frage, ob das Gedächtnis entgegen der bisherigen Ansichten genetisch bedingt ist. Es gibt transgenerationale Weitergaben von niemals ausgesprochenen Geheimnissen, ungesagten, verschwiegenen, verheimlichten Dingen, die zu denken verboten sind, die völlig undenkbar sind. Es ist nicht die Erinnerung, vielmehr sind es die Gedächtnislücken, die Dinge, die aus irgendwelchen Gründen nicht vergessen werden können, die in der Reihe der Generationen weitergegeben werden. Lebensereignisse, von denen niemals gesprochen wird, werden ohne Worte weitergegeben.
Viele Forscher richten ihren Blick interdisziplinär auf diese neuesten Entwicklungen in der Therapieszene. Es ist alles noch zu neu, zu revolutionär. Wir stehen vor einem völlig neuen Raum, der Buchcovergerade von ersten Lichtstrahlen erhellt wird. Es gibt vielerlei Beziehungen zur Chaos-Theorie, zum berühmten Flügelschlag des Schmetterlings, zu den “Fraktalen“ von Benoit Mandelbrot, mit dem Prof. Schützenberger seit langem zusammenarbeitet, und zu den morphischen Feldern von Rupert Sheldrake, der in jüngster Zeit ebenfalls auf den Kongressen der “Aufsteller“ auftaucht.
Oder sind am Ende diese “Löcher“, diese “Phantome“ doch tatsächlich die Geister, die Gespenster der Magie und des Aberglaubens, von denen Menschen doch besessen werden können und die nun in einem neuen Jahrtausend plötzlich auf ganz neue Weise wissenschaftlich bewiesen und erklärt werden können ? Anne Ancelin Schützenberger: O, meine Ahnen ! Wie das Leben unserer Vorfahren in uns wiederkehrt, ist ein spannendes Buch, das Laien wie Fachleuten die Augen öffnet. Ein wichtiger Beitrag für die gegenwärtige Entwicklung von Psychotherapie und Sozialwissenschaften an vorderster Front, indem es aufzeigt, daß weitreichende Systemkräfte über Zeit- und Raumgrenzen hinaus Feldwirkungen entfalten, deren Ausmaß wir erst zu ahnen beginnen, deren Kenntnis und bewußte Verwendung aber wichtige Veränderungen in vielen gesellschaftlichen Bereichen anstoßen können. Es wird künftig vor allem um die Möglichkeit gehen, in der therapeutischen, sozialen und politischen Arbeit viel weitergefaßte Kausalzusammenhänge wahrzunehmen und sie zu einer Quelle für unkonventionelle und kraftvolle Lösungen zu entwickeln.

BuchcoverDer niederländische Autor Daan van Kampenhout fand über den Schamanismus zu den Familienaufstellungen und so vermittelt sein Buch Die Heilung kommt von außen, Schamanismus und Familien-Stellen, welche beide Methoden vergleicht, auch eher fundiertes Wissen über die schamanische Heilungspraktiken. Allerdings der Vergleich beider Systeme lohnt. Das Familienstellen ist ein schamanisches Ritual, das in keinerlei Tradition zu den vorausgegangenen Psychotherapieschulen steht. Es darf also auch gar nicht aus dem therapeutischen Blickwinkel begutachtet werden und sämtliche Kritik darüber, daß keine Analysen der Persönlichkeiten und keine entwicklungsgeschichtliche Aufarbeitung betrieben wird und vor allem, daß Übertragungen und Projektionen von Stellvertretern zu Aufgestellten keinerlei Beachtung findet ist daher völlig unangebracht. Wie im Schamanismus heilt das Ritual des Familienstellens aus einem Raum der Zeitlosigkeit direkt mit Hilfe von energetischen Feldern, die miteinander verbunden sind, die im Grunde als Geister bezeichnet werden können. In diesem Raum existiert kein lineares Bewußtsein mehr, jegliche analystische Auseinandersetzung und Erklärungsversuche hinterher über das Stattgefundene würden den Zugang zur Kraft und deren Wirkung wieder schwächen. Es ist deswegen kein langwieriger Prozeß wie bei allen therapeutischen Schulen notwendig. Beim Familienaufstellen braucht auch die Biografie der Persönlichkeit keinerlei Berücksichtigung, denn es werden Dinge behandelt, die sowieso jenseits von jeglichem Wissen der betroffenen Personen sind. Im Unterschied zur Psychotherapie geht es auch keinesfalls darum nur den “Erkrankten“ zu heilen, sondern miteinander verbundene Systeme z.B. Familien, Gemeinschaften und darüber hinaus alles was außerdem kollektiv betrachtet werden kann, werden geheilt. Die Heilung geschieht nicht von innen heraus, sondern wird von außen bewirkt. Es ist kein Therapeut da, welcher aufwendig mit dem Klienten arbeitet, sondern eine unterstützende Gemeinschaft begleitet die Probleme des Aufgestellten. Wie im Schamanismus werden dafür auch die Ahnen gerufen, längst Verstorbene Personen werden durch Stellvertreter aufgestellt. Gerade diese Arbeit mit Toten, bei der Zeichnungdie Aufsteller davon ausgehen, daß auch diese “rückwirkend“ ebenso wie die aktuellen Klienten eine Heilung erfahren, rückt das ganze Familienaufstellung ins Spiritistische. Dies ist tatsächlich auch so, aber die Methoden sind zeitgemäß und neu. Der Autor erklärt aus schamanischer Sicht die Bestandteile unterschiedlicher Seelen, auf welchen Ebenen sie wirken und wie sie bei Lebendigen wie auch Toten miteinander agieren und verbunden sind. Aus der Sichtweise der Zeitlosigkeit und der Verbundenheit von allem mit allem ist es völlig selbstverständlich, daß Heilung dann in allen Teilen des behandelten Systems gleichermaßen stattfinden. Ein erfahrener Schamane nimmt auch die Geister wahr, die in Aufstellungen gerufen werden. Er sieht Verstorbene oder andere Wesen im Raum hinter den Stellvertretern stehen, auch diejenigen, die keinen Zugang finden und ins Ritual eingebettet sind, weil sie weder vom Leiter, den Klienten oder den Stellvertretern wahrgenommen werden. Was bei den Aufstellungen geschieht ist im Grunde das gleiche was in jeder Voodoo-Zeremonie stattfindet. Es werden Geister gerufen und sie sind eingeladen ihren Platz in den Körpern der bereitwilligen Stellvertreter einzunehmen. Dies geschieht erklärtermaßen durch Besessenheit.
Mit den Toten wird gesprochen und diejenigen Konflikte, welche in deren Leben keine Lösung erfuhren, werden in einer Weise bearbeitet, daß die Toten endlich zufrieden sind. Das Buch ist eine Fundgrube für diejenigen, die Familienstellungen aus der Sicht des traditionellen Schamanismus verstehen möchten. Es gibt eine ausgezeichnete Einführung in das Wesen des Schamanismus und dessen Weltbild und endet mit einer detaillierten Struktur, was genau beim Ritual des Aufstellens energetisch stattfindet. Im Gegensatz zu den meisten eigentlichen Aufstellungsbüchern, in denen der Leser sich mühsam durch die Protokolle des Gesprochenen durcharbeiten muß um zu versuchen ein dahinterliegendes System zu erkennen. Kampenhout arbeitet seit einigen Jahren eng mit Bert Hellinger zusammen und ab 2002 gibt er auch Fortbildungen in den Therapeutenorganisationen der systemischen Aufsteller.

BuchcoverDer Inhalt des Buches von Alberto Villoldo, Das geheime Wissen der Schamanen, Wie wir uns selbst und andere mit Energiemedizin heilen können, ist rein schamanische Theorie und Praxis. Im Zentrum stehen die lichtvollen Energiefelder, die den materiellen Körper umgeben und sich im Krankheitsfall verändern. Schritt für Schritt macht der Autor mit den Techniken vertraut, diese Energiefelder zu sehen und zu harmonisieren. Villoldo hat bei südamerikanischen Heilern diese Methoden gelernt und kommt aus genau den “Schulen“, die auch Carlos Castaneda in seinen Romanen beschrieben hat. Im Gegensatz zu Castaneda mystifiziert Villoldo allerdings nicht, sondern bleibt immer nachvollziehbar und nennt auch die genauen Namen und Biographien seiner Lehrer. Damit begegnet er im Vorfeld allen Anzweiflungen, ob es sich um fiktive oder realistische Begebenheiten handelt. Jedem steht es offen anhand der beschriebenen existierenden Personen die Behauptungen nachzuprüfen.
Obwohl der Inhalt des Buches nicht direkt im Kontext der Aufstellungsarbeiten steht ist er dennoch eine vertiefende Fundgrube für all diejenigen, welche sich für die “Bewegungen der Seele“ interessieren. Was dort gerade ganz aktuell entwickelt wird ist tatsächlich im Schamanismus längst bekannt. Detailliert beschrieben werden Energiefelder, Zusammensetzungen der Seele, die schamanische Art des Sehens, die Unendlichkeit der eigentlichen Felder, die Auswirkungen energetischer unbearbeiteter Konflikte auf die nachkommenden Generationen, damit zusammenhängende Jahreszahl-Syndrome, der heilige Raum bei Ritualen sowohl Aufstellungen und einiges mehr, das in der herkömmlichen Aufstellungsarbeit noch gar nicht zum Tragen kommt. Enthalten sind sehr wertvolle Techniken für die Arbeit mit Patienten, die allesamt auch an Fallbeispielen erläutert werden.

Als abschließendes Resümee bleibt festzustellen: Familienaufstellungen sind interessant... die Geister kommen tatsächlich immer wieder. Gerade deswegen ist es nun auch für alle an Magie und Naturreligion in jeglicher Form Interessierten anzuraten sich doch einmal eingehender mit dieser modernen Therapie, die keine ist, zu befassen. Natürlich ist es schwer an geeignete Lehrer heranzukommen. Aufsteller gibt es mittlerweile überall, es wird schon an den Volkshochschulen angeboten. Um den Spreu vom Weizen zu trennen nenne ich zuletzt Kontakte zu mir seriös erscheinenden Aufstellungsforschern.

Forum für ressourceorientierte Lösungen
Gluckstr.14, 76185 Karlsruhe
e-mail: frol.k@t-online.de

Heribert Döring-Meijer, gehört zur “alten“ Garde der frühen Hellinger-Schüler, und er grenzt sich auch vom profaneren Umgang mit Familien-Stellen, das mittlerweile überall in recht unkompetenter Weise geschieht, ab. Er ist Autor mehrerer Bücher über systemische Aufstellungen und Organisator des 3. Internationalen Symposiums “Die entdeckte Wirklichkeit.
Systemisch-phänomenologische Arbeit nach Bert Hellinger“ vom 21. – 23. November 2002 in Freiburg. Auf dem Symposium werden von sehr vielen Referenten die verschiedenen Impulse gezeigt, die von der systemisch-phänomenologischen Aufstellungsarbeit nach Bert Hellinger ausgegangen sind. Ein besonderer Focus liegt auf der Weiterentwicklung und Vertiefung dieser Arbeit in den verschiedenen Anwendungsbereichen. Wichtig ist dabei auch die dahinter stehende wirkende Kraft, die wertschätzende Haltung und die Anerkennung “dessen was ist“.

Wolfgang Deußer
Landwehrstr.2
64293 Darmstadt
e-mail: WolfgangDeusser@aol.com
Lehrtherapeut in Familien- und Organisationsaufstellungen, Systemische Therapie. Regelmäßige Selbsterfahrungs- und Austauschgruppe auch für Interessierte. Spezialisiert u.a. auf die neuesten Entwicklung im Umgang mit Betroffenen von Persönlichkeitsstörungen.

Klinik Rastede
Fachklinik für soziopsychoso-matische Medizin
Mühlenstr.80
26180 Rastede e-mail: pli@www.Klinik-Rastede.de
Ganzheitliche empfehlenswerte Privatklinik, die jedoch auch Krankenkassenerstattungen vermitteln kann. Unter Chefarzt Dr. med. Friedrich Ingwersen finden an der Klinik Aufstellungen statt.

Psychiatrisches Zentrum Nordbaden
Akademisches Lehrkran-kenhaus der Universität Heidelberg
Heidelberger Str.1a
69168 Wiesloch
e-mail: hans.steinmassl@pzn-wiesloch.de
Gunter Weber, Leitender Facharzt ist eng mit der Aufstellungsarbeit verbunden. An der Akademie findet über Aufstellungen hinaus ein besonders empfehlenswertes Weiterbildungsseminar-Angebot statt.

Bert Hellinger Institut Berlin
Michaela Kaden/Harald Hohnen
Uhlandstr.161
10719 Berlin
e-mail: michaela.kaden@web.de
Das Institut bietet im Jahr 2002 zahlreiche Workshops mit Daan van Kampenhout an. Dieser hat bei traditionellen schamanischen Lehrern verschiedener Kulturen studiert und unterrichtet international Schamanismus. Er ist einer der führenden Vertreter, der die schamanischen Hintergründe bei der Aufstellungsarbeit aufzeigen kann.

* * *

Autorenkontakt:
E-Mail: berthold@mescalito.de

Bilder in diesem Artikel:
http://nutrias.org/~nopl/monthly/july97/voodoo.jpg
http://www.time.com/time/europe/webonly/voodoo/voodoo.html
http://www.sharkbyte.org/Home/Morpheus/Voodoo/voodoo.shtml
und Hadit Archiv


© Hadit 2002
Equinox WebSite - Golem WebSite - Support