Als dann im letzten Jahr die von mir als “Infiltration“ der schamanischen Arbeitsweisen empfundenen Forschungen an die Öffentlichkeit kamen – die sogenannten “Bewegungen der Seele“ – kam zuerst in mir klammheimliche Freude auf. Jetzt spricht man nicht nur offen davon mit Toten zu reden, sondern geht auch davon aus, daß diese ebensolche Heilung bei den Aufstellungen erfahren wie die realen Betroffenen. Ich freute mich darüber, daß - wenn das ins gesellschaftliche Bewußtsein durchdringe – es wieder Schluß wäre mit der Anerkennung durch das System, vor der die Aufstellungstherapie nun mal steht. Auch erschien es mir schlüssig, daß Hellinger ein Opfer seines eigenen Systemdenkens werden dürfte. Obwohl er jeden “Guru“ und “Messias“-Nimbus ablehnt, scheint er offensichtlich doch als ehemaliger Theologe mit diesen Energieformen zu liebäugeln. Und dann wird es zwangsläufig auch den Judas geben, nämlich die Schüler die vor der Frage das Bekenntnis zum Glauben an Geister abgeben zu müssen doch aus systemimmanenten Überlebensdenken abtrünnig werden und sich von ihrem “Meister“ distanzieren.
Um denjenigen unter den Lesern, die mit Familienaufstellungen nicht vertraut sind, ein Verständnis für den Ablauf zu geben, versuche ich kurz eine Aufstellung darzustellen. Innerhalb eines Seminares kommen Menschen, die sich fremd sind, zusammen und derjenige, der aufstellt, schildert der Seminarleiterin einen seiner persönlichen Konflikte. Dann wählt er Personen aus der Gruppe aus, die seine Familienmitglieder – Geschwister, Eltern, Tanten, Onkel, Großeltern etc. – vertreten. Diese können noch leben oder längst verstorben sein. Auch wird ein Vertreter seiner selbst gewählt und mitaufgestellt und man bleibt in beobachtender Position, wie dieser agiert. Im weiteren Geschehen, das man nicht wirklich beschreiben kann, sondern erlebt und erfahren werden muß, finden energetische Veränderungen statt. Die aufgestellten Personen beschreiben ihre Empfindungen und während der Aufstellungen werden immer wieder ihre Positionen im Raum und zueinander verändert. Es ist sehr erstaunlich was sich dabei entwickelt und wie spürbar eine Eigendynamik stattfindet, die jeden – Zuschauer, Aufsteller wie auch die agierenden Aufgestellten – auf überraschende Weise erfaßt. Meist kommt es zu sehr emotionalen und rational nicht erfaßbaren Entwicklungen und unerwarteten Lösungen. Erst am Ende wird derjenige, der aufstellen läßt, in das Geschehen hineingenommen und nimmt den Platz desjenigen ein, der ihn bis dahin vertreten hat. Interessant vor allem bisher ist, daß die energetischen Veränderungen, die auf Heilung und Verständnis und Verzeihen können hinauslaufen auch in der Wirklichkeit ihre Entsprechung finden. Zum Beispiel ist es oft so, daß zerstrittene Personen, die nicht anwesend waren – aber aufgestellt wurden – sich ohne von dem Geschehen zu wissen hinterher tatsächlich bei denjenigen die aufstellen ließen plötzlich melden und einen lange gärenden Konflikt von sich aus bereinigen. Dies bestätigen unzählige bisherige Teilnehmer von Aufstellungsseminaren.
darf. Die Bewegungen der Seele sind nichts anderes als die längst verlorengegangene Fähigkeit Energiekörper und Strukturen wahrzunehmen. Seit dem Mittelalter wurde das verfolgt und als Aberglaube abgetan. Nun steht es vor der Wiederentdeckung. Um 1000 n. Chr. glaubte noch der Bischof Burchard von Worms, daß jeder Mensch mehrere “Seelen“ besäße. Dies ist eine rein atavistische Ansicht, die Lebensprinzipien umschreibt. Auch die Germanen wußten noch, daß eine äußere Seele existiert, sie nannten sie hamr, und diese wurde in den lateinischen Texten mit animus oder spiritus umschrieben. Damals wußte man genau, daß solch ein “Astral-Körper“ den Schlafenden im Koma, in Trance oder bei schwerer Krankheit verlassen kann und in der Gestalt eines Menschen oder eines Tieres ihrer jeweiligen Bestimmung nachgehen. Die Geistlichen und Gelehrten des Nach-Mittelalters verstanden diese Phänomene nicht mehr, sahen sie doch mit eigenen Augen den realen Körper vor sich, und deswegen schrieben sie die Berichte von Personen, bei denen das “Zweite Ich“ wieder in den Körper zurückgekehrt ist, dem Blendwerk und der Zauberei der Dämonen zu.
Der erste Titel Liebe am Abgrund. Ein Kurs für Psychose-Patienten ist von Bert Hellinger selbst und noch ganz in der herkömmlichen Art der Aufstellungsbücher verfaßt, d.h. sein Inhalt sind abgedruckte Protokolle des Seminargeschehens. Genau dies macht es dem mit der Arbeit ansonsten nicht vertrauten Leser auch schwer den Zugang zur Methode überhaupt zu finden. Interessant ist es dennoch allemal, da hier mit der in jüngerer Zeit entstandenen Arbeit, den “Bewegungen der Seele“ gearbeitet wird, die erst wirklich den Zugang zu der im Hintergrund wirkenden Familiendynamik und zu tiefen heilenden Bewegungen entwickeln. Gerade sie ergänzen das bisherige Familien-Stellen und bringen auf tiefe Weise in Verbindung mit Kräften, die das Persönliche weit übersteigen und über die Grenzen des persönlichen und kollektiven Gewissens herausführen. Gerade bei verleugneter Schuld Vorangegangener gerät ein nachgeborenes Familienmitglied unter der Triebkraft des kollektiven Gewissens in den Sog, das Schicksal des Opfers und des Täters gleichzeitig aufzunehmen und im eigenen Leben zu repräsentieren. Die daraus resultierende Verwirrung kennt man dann als Psychose. Und besonders da es völlig unklar war wie Psychose-Patienten solche Kurse seelisch verkraften würden ist das vorliegende Protokoll eine spannende Lektüre.
Toten müssen es tun. Wenn die Toten ihre Schuld anerkennen verlieren sie ihre Anhaftung an die Lebenden. Das sind alles sehr gewagte Aussagen, aber um heilende Lösungen zu entdecken, gehen die Aufsteller dieses Wagnis derzeit ein.
Familienaufstellen ist aber keine Erfindung von Bert Hellinger, auch wenn das in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Es gibt unzählige Systemforscher weltweit, die unabhängig zu sehr ähnlichen Erkenntnissen gelangten. Hellinger ist nur der bekannteste, da er sich und diese Methode am besten zu vermarkten wußte. Eine herausragende Persönlichkeit ist auch die französische Professorin Anne Schützenberger, die auf eine 40jährige Praxis als Therapeutin und Analytikerin zurückblicken kann. Sie ist eine klassische Verfechterin der Lehren von Sigmund Freud, war aber darin glücklicherweise nie so dogmatisch daß sie nicht offenen Herzens all die Entwicklungen beobachtete, die in der mittlerweile bereits hundertjährigen Geschichte seit dem Beginn der Psychoanalyse stattgefunden haben. So bildete sie sich neben der traditionellen Analyse auch in Psychodrama und Familientherapie aus. In ihrer Forschung hat sie entdeckt, daß weit zurückliegende traumatische Ereignisse im familären Unbewußten über mehrere Jahrhunderte weitergegeben werden können, so als sei das Trauma in einem zeitlosen Raum aufbewahrt und immer “sprungbereit“ sich zu manifestieren. In einem von ihr entwickelten aufwendigen Genosozioprogramm, das die Stammbäume und Familienschicksale berücksichtigt, gelang es ihr unglaubliches aufzudecken. Oft tritt dabei das Jahrestags-Syndrom auf, d.h. bestimmte Dinge wiederholen sich Generationen später auf den Tag genau. Das merkwürdigste ist, daß die Betroffenen nichts von den früher ereigneten Geschehnissen wissen. Es sind Gedächtnisspuren, die niemals erzählt wurden, die immer unausgesprochene Geheimnisse waren. Wie das funktioniert weiß sie auch nicht zu erklären, sie kann es allerdings aufgrund ihrer Arbeiten belegen. Es stellt sich die Frage, ob das Gedächtnis entgegen der bisherigen Ansichten genetisch bedingt ist. Es gibt transgenerationale Weitergaben von niemals ausgesprochenen Geheimnissen, ungesagten, verschwiegenen, verheimlichten Dingen, die zu denken verboten sind, die völlig undenkbar sind. Es ist nicht die Erinnerung, vielmehr sind es die Gedächtnislücken, die Dinge, die aus irgendwelchen Gründen nicht vergessen werden können, die in der Reihe der Generationen weitergegeben werden. Lebensereignisse, von denen niemals gesprochen wird, werden ohne Worte weitergegeben.
gerade von ersten Lichtstrahlen erhellt wird. Es gibt vielerlei Beziehungen zur Chaos-Theorie, zum berühmten Flügelschlag des Schmetterlings, zu den “Fraktalen“ von Benoit Mandelbrot, mit dem Prof. Schützenberger seit langem zusammenarbeitet, und zu den morphischen Feldern von Rupert Sheldrake, der in jüngster Zeit ebenfalls auf den Kongressen der “Aufsteller“ auftaucht.
Der niederländische Autor Daan van Kampenhout fand über den Schamanismus zu den Familienaufstellungen und so vermittelt sein Buch Die Heilung kommt von außen, Schamanismus und Familien-Stellen, welche beide Methoden vergleicht, auch eher fundiertes Wissen über die schamanische Heilungspraktiken. Allerdings der Vergleich beider Systeme lohnt. Das Familienstellen ist ein schamanisches Ritual, das in keinerlei Tradition zu den vorausgegangenen Psychotherapieschulen steht. Es darf also auch gar nicht aus dem therapeutischen Blickwinkel begutachtet werden und sämtliche Kritik darüber, daß keine Analysen der Persönlichkeiten und keine entwicklungsgeschichtliche Aufarbeitung betrieben wird und vor allem, daß Übertragungen und Projektionen von Stellvertretern zu Aufgestellten keinerlei Beachtung findet ist daher völlig unangebracht. Wie im Schamanismus heilt das Ritual des Familienstellens aus einem Raum der Zeitlosigkeit direkt mit Hilfe von energetischen Feldern, die miteinander verbunden sind, die im Grunde als Geister bezeichnet werden können. In diesem Raum existiert kein lineares Bewußtsein mehr, jegliche analystische Auseinandersetzung und Erklärungsversuche hinterher über das Stattgefundene würden den Zugang zur Kraft und deren Wirkung wieder schwächen. Es ist deswegen kein langwieriger Prozeß wie bei allen therapeutischen Schulen notwendig. Beim Familienaufstellen braucht auch die Biografie der Persönlichkeit keinerlei Berücksichtigung, denn es werden Dinge behandelt, die sowieso jenseits von jeglichem Wissen der betroffenen Personen sind. Im Unterschied zur Psychotherapie geht es auch keinesfalls darum nur den “Erkrankten“ zu heilen, sondern miteinander verbundene Systeme z.B. Familien, Gemeinschaften und darüber hinaus alles was außerdem kollektiv betrachtet werden kann, werden geheilt. Die Heilung geschieht nicht von innen heraus, sondern wird von außen bewirkt. Es ist kein Therapeut da, welcher aufwendig mit dem Klienten arbeitet, sondern eine unterstützende Gemeinschaft begleitet die Probleme des Aufgestellten. Wie im Schamanismus werden dafür auch die Ahnen gerufen, längst Verstorbene Personen werden durch Stellvertreter aufgestellt. Gerade diese Arbeit mit Toten, bei der
die Aufsteller davon ausgehen, daß auch diese “rückwirkend“ ebenso wie die aktuellen Klienten eine Heilung erfahren, rückt das ganze Familienaufstellung ins Spiritistische. Dies ist tatsächlich auch so, aber die Methoden sind zeitgemäß und neu. Der Autor erklärt aus schamanischer Sicht die Bestandteile unterschiedlicher Seelen, auf welchen Ebenen sie wirken und wie sie bei Lebendigen wie auch Toten miteinander agieren und verbunden sind. Aus der Sichtweise der Zeitlosigkeit und der Verbundenheit von allem mit allem ist es völlig selbstverständlich, daß Heilung dann in allen Teilen des behandelten Systems gleichermaßen stattfinden. Ein erfahrener Schamane nimmt auch die Geister wahr, die in Aufstellungen gerufen werden. Er sieht Verstorbene oder andere Wesen im Raum hinter den Stellvertretern stehen, auch diejenigen, die keinen Zugang finden und ins Ritual eingebettet sind, weil sie weder vom Leiter, den Klienten oder den Stellvertretern wahrgenommen werden. Was bei den Aufstellungen geschieht ist im Grunde das gleiche was in jeder Voodoo-Zeremonie stattfindet. Es werden Geister gerufen und sie sind eingeladen ihren Platz in den Körpern der bereitwilligen Stellvertreter einzunehmen. Dies geschieht erklärtermaßen durch Besessenheit.
Der Inhalt des Buches von Alberto Villoldo, Das geheime Wissen der Schamanen, Wie wir uns selbst und andere mit Energiemedizin heilen können, ist rein schamanische Theorie und Praxis. Im Zentrum stehen die lichtvollen Energiefelder, die den materiellen Körper umgeben und sich im Krankheitsfall verändern. Schritt für Schritt macht der Autor mit den Techniken vertraut, diese Energiefelder zu sehen und zu harmonisieren. Villoldo hat bei südamerikanischen Heilern diese Methoden gelernt und kommt aus genau den “Schulen“, die auch Carlos Castaneda in seinen Romanen beschrieben hat. Im Gegensatz zu Castaneda mystifiziert Villoldo allerdings nicht, sondern bleibt immer nachvollziehbar und nennt auch die genauen Namen und Biographien seiner Lehrer. Damit begegnet er im Vorfeld allen Anzweiflungen, ob es sich um fiktive oder realistische Begebenheiten handelt. Jedem steht es offen anhand der beschriebenen existierenden Personen die Behauptungen nachzuprüfen.
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