Cover Mircea Eliade
Schmiede und Alchimisten

Der aus Rumänien stammende Religionswissenschaftler mag einigen Lesern durch sein Hauptwerk Das Heilige und Profane (1957) bekannt sein. Wichtig sind auch seine Abhandlungen zum Yoga und zur Ekstasetechnik des Schamanismus. Das vorliegende Buch erschien in französischer Sprache unter dem Titel Forgerons et Alchimistes und wurde nach der neuesten franz. Ausgabe übersetzt. Und auch wenn es schon einige Jahre auf dem Markt herumgeistert, ist dieses Buch zum Verständnis des Ursprungs der Alchemie unerläßlich. Eliade unterscheidet sich aber in seinem Ansatz doch gehörig von einer anderen Tradition, die auch im Golem rege gepflegt wird, und doch ist Eliades Ansatz ein wichtiger für die hier vertretene Leserschaft. Diese andere Tradition spricht er selbst auch an und so ist es mir auch möglich, im Rahmen dieser Ausgabe Querverweise zu Evola zu ziehen (vgl. dort!): “Andrerseits fehlt es nicht an Arbeiten, in denen die Alchemie als zugleich praktische und spirituelle Technik angesehen wird. Den Leser, der den traditionellen Standpunkt kennenlernen möchte, werden die Bücher von Fulcanelli, Eugène Canseliet, J. Evola, Alexander von Bernus und René Alleau interessieren, um nur die Veröffentlichungen des letzten Vierteljahrhunderts zu nennen, die sich auf die traditionelle alchemistische Doktrin berufen. [...]
Für unseren Zweck genügt es, ganz kurz gewisse alchemistische Symbole und Verfahrensweisen hervorzuheben und ihren Zusammenhang mit den archaischen Symbolen und Techniken, die mit der Entwicklung der Materie in Verbindung stehen, aufzuzeigen.”
(S. 149)
Dieses Buch stellt in souveräner Weise Verbindungen her, wie es schon der Titel verrät, zwischen Menschen, die in archaischen Kulturen mit der Materie arbeiten mußten und sie gewissermaßen bezwangen, um seßhafte Kultur zu schaffen (Es werden dabei oftmals interessante Streifzüge in die Anthropologie unternommen; von Vorteil ist auch Eliades enge Anbindung an entsprechende Fragestellungen, die sich von einer Theologie doch unterscheiden: “Ich habe versucht, das Verhalten der Menschen der archaischen Gesellschaften gegenüber der Materie zu verstehen, den geistigen Abenteuern zu folgen, in die er sich hineingezogen sah, als er seine Macht erkannte, die Wesensart der Stoffe zu ändern.” – Aus dem Vorwort, S. 9.) und den Alchemisten, den Mystikern, den Initiationsmeistern, die eine ‚Berufstradition‘ mündlich und schriftlich weiterreichen, um die stark geheimnisumwitterten Methoden der Bearbeitung von Materie und insbesondere Metallen an Mitglieder der Kaste weiterzureichen. Der Leser wird, sofern er sich doch auf den zuweilen stark wissenschaftlichen Ton einlassen möchte, mitgerissen in dem Strom der Geschichte. Ich selbst habe bei der Lektüre neue Zusammenhänge und Ideen gefunden, die ich vorher so nicht kannte. Einige Beispiele...:
Die spirituelle Erfassung von materiellen Prozessen, das Wunder der Umformung der Stoffe und Elemente (Ich meine hier die vier Elemente und nicht den modernen chemischen terminus technicus.) und damit oftmals verbunden eine ‚Pansexualisierung‘ der Natur. Wie selbstverständlich führt Eliade diese ‚Bezwingung der Natur‘ und die gleichzeitige ‚Sakra-lisierung‘ derselben mit Mythologien und ihren Verkündern, den Dichtern oder Mystikern, zusammen. Bei seinen Erläuterungen beschränkt er sich keineswegs auf einen bestimmten Kulturraum, sondern führt sogar auch noch die chinesische und indische Alchemie in gesonderten Kapiteln an. Stets aber werden die Zitate und Quellenverweise mit sachlichem Ton geschildert; Eliade findet sich nicht in einer bestimmten hermetischen Tradition verortet, vielmehr wahrt er Distanz zum Geschilderten. So begeht er, aus akademischer Sicht, auch nicht den Fehler, die Alchemie wieder als ein brauchbares Weltverständnis zu titulieren (Vgl. dazu Evola!). Deutlich werden jedoch die Ursprünge moderner Naturwissenschaft in der geistigen Vervollkommnung des Menschen; er liefert das Paradebeispiel Newton, verweist jedoch auch auf andere ‚Größen‘ jener Zeit (John Dee). Nur möchte ich ihm keinesfalls beipflichten, wenn er den Schluß zieht, daß die Alchemie in ihrer Überzeugung, der natürlichen Entwicklung nachhelfen zu können, letztlich zur Grundlage unseres materialistischen Umgangs geworden ist. Vielmehr sollte hier m.E. die Divergenz dargestellt werden, die sich zwischen einer rigoros chemisch-technischen Verwertung der Alchemie und der Weiterführung der hermetischen Tradition ereignete. Interessant aber die Analyse des modernen Menschen als ein “ausschließlich zeitliches Wesen” (S. 195), das sich von Naturläufen befreit. Allein diese Überlegungen am Schluß des Buches erfordern idealiter einen Essay für sich. Dies Buch ist eine hervorragende Einführung in archaische Vorstellungen und ihre ‚Langzeitwirkung‘ auf die heutige Zeit. “Viele Zusammenhänge werden dabei offenbar, die zwischen Metallurgen-Werk und dem Werk des Zauberpriesters, des Schamanen, des Yogi und des Mystikers bestehen.” – Aus dem Klappentext.
Dominik "Geistbarde" Irtenkauf

Erschienen ist das Buch im Clett-Cotta Verlag 1980
ISBN 3-12-932120-9
19,00 Euro

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