Voenix In längst vergangener Zeit lebten und arbeiteten die Menschen in jenen Dörfern, in denen sie geboren wurden. Man machte sich selten auf den Weg oder wanderte in die weite Welt hinaus. Warum auch? So erscheint es als rechter Segen, wenn mal ein Skalde ins Dorf kam und die Bewohner mit neuen Geschichten unterhielt.
Der alte Skalde, der in jenem Dorf einkehrt, um den es in diesem schön aufgemachten Buch geht, weiß gleich 5 bezaubernde Geschichten zum Besten zu geben. Alle handeln vom mächtigen Donnergott Thor, dem Riesentöter mit seinem Hammer Mjöllnir. In der ersten Geschichte, die der alte Skalde auftischt, geht es um den verliebten Fruchtbarkeitsgott Freyr. Dieser hat sich unsterblich in die Riesentochter Gerda verliebt - sehr zum Mißfallen deren Vaters Gymir, der mit der vereinbarten Hochzeit gar nicht einverstanden ist. Durch einen hinterhältigen Plan will dieser die Hochzeit platzen lassen, und alleine dem Eingreifen des trickreichen Lokis und dem mächtigen Thor ist es zu verdanken, daß sich die Verliebten schließlich doch noch in den Armen liegen dürfen.
In der zweiten Geschichte wird Thor von den Töchtern der Ran auf eine Insel getrieben, auf welcher amazonenhafte Berserkerweiber hausen, die ihre Männer erschlugen und nun selbst herrschen. Zum Leid der Kinder, die den Gott auf seiner Angeltour begleiten, hat dieser seinen Hammer Mjöllnir zuhause liegen lassen. Ob und wie Thor gegen die Riesinnen kämpft - lest es selbst nach.
Die nächste Story handelt davon, wie Thor einem Schweinebauern zur Seite steht, um dessen, von Riesen gestohlene Schweine wiederzubeschaffen - und zwar auf einer für den Riesentöter ganz ungewöhnlichen Art und Weise.
Die vierte erzählt, wie die Wolfshexe Modgud die Tochter Thors entführen läßt, um ihn so in die Totenwelt Hel zu locken. Denn nur dort versagen ihm seine Kräfte und er ist ihr ausgeliefert. Mit Rat und einem seltsamen Utensil seines Vaters Odin ausgerüstet, tritt er die beschwerliche Reise an, bis er am Schluß seiner Gegnerin auf der Totenbrücke gegenüber steht. „Aber wisse, selbst Götter müssen Gesetzen folgen, die zu mißachten keinen ungestraft lassen!“
Nach dieser düsteren Geschichte deckt der fahrende Sänger zuletzt eine muntere Mär auf, und zwar, zur Freude aller Anwesenden, sexueller Natur. Als Thor von seinem Weib Sif immer wieder abgewiesen wird, erklärt sich Loki bereit, ihm aus dieser, für einen Fruchtbarkeitsgott äußerst mißlichen Lage zu helfen. Er organisiert ein Treffen zwischen dem wollüstigen Thor und einer, in gewissen Dingen, sehr begabten Riesin. Bei deren Zusammenkunft geht es heiß zur Sache, aber Loki wäre nicht Loki wenn er das Rendezvous aus reiner Gefälligkeit arrangieren würde. Dieser hat natürlich wieder seine eigenen Pläne...
Das ein oder andere Ereignis dürfte dem Leser wohl aus der Edda bekannt sein, die Voenix hier als willkommenen Hintergrund für neue Geschichten nutzt. Das locker zu lesende Buch besitzt viele schwarz-weiß Bilder, die Voenix, Autor von „Weltenesche - Eschenwelten” sowie diverser anderer Bücher, selbst anfertigte. Wer das Wotans-Buch von Voenix bereits kennt, weiß, was ihn hier an schön geschriebenen Geschichten erwartet, in welchen der lockere Humor nicht zu kurz kommt. Im Anhang werden noch diverse Begriffe erklärt. Dieses Buch eignet sich auch bestens zum Verschenken, sowohl für jüngere Menschen wie die des fortgeschrittenen Alters.
Holger Kliemannel