
n einer Ecke des vierwinkligen Raumes ragte eine magische Schachtel empor. Aus dieser drang ein schimmernd’ Licht, welches sich nach und nach über die Wände des Raumes verteilte. Schatten stemmten sich aus den zuvor unbeleuchteten Winkeln hervor, schritten bedächtig in die Mitte des Raumes. Augen suchten den Strahl, dieser senkte sich über die Fliesen. Auf dem Boden schälten sich Muster aus dem unscheinbaren Zement, der als bindendes Element die einzelnen Steine zusammenhielt. Kannten wir diese Linien und Wirbel schon? Fügten wir unserem überreizten Auge noch eine neue Perspektive hinzu, sahen wir durch ein weiteres Sehorgan, das wir uns organisch zugefügt?
Derweil spielten die Zünglein über dem Fundament dieses Hauses, weit oben in den Kronen der Linden. Der Wind hatte nachgelassen, und so flackerte der Schein nicht mehr allzu heftig. Zu den Zünglein gesellten sich Flammenstöße, die Schatten wurden vertrieben, bis sie erneut beim Rückzug der Flammen an ihren Platz zurückdrängten. Lichtreflexe paarten sich mit Schattenfiguren zu Tänzchen. Die magische Schachtel aber wurde von einem Strahler illuminiert, von vier Richtungen erleuchtet, und dabei warf sie ein brennendes Glühen zurück, welches – im Menschenherz – ein furioses Empfinden auslöste.
Oberfläche. Durch diese durchgegriffen, erlangte man unterschiedliche Muster überreicht, mit deren Unterstützung man neue Welten besichtigte. In dieser spiegelte sich das eigene Gesicht, mit ihm schaute man nach Wesen, die einem im Geiste verwandt, die zwar andere Körper und Lüfte pflegen, doch im Dunst der Schwellen das reine Gefühl erahnen. So werden die Schatten zum Boten des eigenen Willens, mischen sich mit dem fremden Fleisch.
ies ist nur ein Traum. Unter vielen haben wir uns alle gefunden. Begeben wir uns nun auf eine weite Reise, wenn leise in unseren Köpfen diese Realität überschritten wird. Hört auf die innere Stimme, was sie euch sagt. Sie führt euch sanft ins Spiel hinein. So werden auch wir an diesem Tage heute die Grenzen hinter uns lassen. Wir beschreiten Neuland. Fassen uns an den Händen, um uns unserer Selbst noch gewiß zu sein. Wir wollen es heute abend erfahren, was mit uns geschieht. Was wir erleben können, wenn der Boden sich endlos löchert und die Decke zerbricht. So schweben wir zwischen allen Horizontalen. Saugen ein. Das Leben schnellt an uns vorbei. Wir halten ein für einen Augenblick. Diesen richten wir auf die Schatulle. Birgt für uns wohl große Schätze. Diese wollen wir nun entlocken aus ihren Wänden mit den Händen. Faltet sie zu einem Schmetterling. Schmettern wollen wir die Worte und Gesten. Hinein in den Raum. Der Traum geht voran, mit emsigen Schwingen hebt er an. Dazu künden die Düfte. Heimkehr der Teufels- und Engelsgestalten. Sind wir bereit, sie zu empfangen? Es klopft (dabei hämmert es mit Klopfstäben gegen einen Stamm), spricht uns an. Will uns den heißen Atem entgegenstrecken. Wenden wir nicht das Gesicht ab. Strecken’s furchtlos dem Drachen entgegen. Hole er uns! Hole er uns!"
s fällt ins Schweigen, schaut umher durch die Gesichter, welche gebannt den Ausführungen gefolgt sind. Nun sind sie eingeführt worden in die Spiele des heutigen Abends, das Licht wurde allmählich auch in den Niedergang genötigt. Durch wildes Trommeln auf den abgesägten Baumstämmen, die auf dem hölzern-lehmigen Boden ausgestreckt worden sind, dröhnte eine mächtige Klangwand über den Köpfen hinweg. Die Augen zuckten nervös, als sich der Galeerensklave auf diesem Ruderschiff in eine Ekstase wirbelte, zu diesem Zwecke hatte er sich eine lange Reihe von Trommeln und Schlagwerk beisammen gestellt. Ständig den Rhythmus wechselnd, erregte er so die Gemüter der versammelten Kultusgemeinde. Nach einer Zeit, in der er sich schwitzend gespielt hatte, ging er zum monotonen Dreschen auf ganz bestimmten Instrumenten über. Der Schlaf wurde somit herbeigesehnt durch Schlegel, bedachtsam schlugen sie auf das Tierfell ein. Gespannt gaben die Felle die Schläge zurück, indem sie pochend, mahnend, drohend, schwärend den Impuls in die Seelen trugen. In diesen griff ein Feuer um sich, derweil trieb der erigierte Trommelklang die Seelen aus ihrer Heimat. Furchtsam zogen sie sich aus dem Kreis ihrer Bekannten fort. Bang vor Angst lösten sich die Menschen vom drückenden Gefühl, das sich nun in ihre Seelen eingefunden hatte. Legten sich langsam zur Ruhe, geruhten nun die körperlichen Anstreng-ungen. Warteten auf fremdes Geheiß; trauten sich den heftigen Wirbeln an. Mit Gebrechen legten sie sich nieder auf den Grund aus Holz, der Körper ward zerfressen, ausgehöhlt im inneren Gewand. In sämtliche Windungen und Löcher stieß der Wurm vor, gierte nach dem menschlichen Fleisch. Packte mit den Eisenbeißern zu, zog unerbittlich am bröckelnden Felsen, von dem sie das gesamte Tänzeln der Menschen betrachteten. Reglos da liegend, verloren ist die einstige Menschenfülle. Da ziehen sie sich über die kantigen Böden, auf denen sie zuvor noch stolz in Gewändern gestanden, schieben die tauben Finger über die Fläche, die sich vor ihren Augen vorwärts schiebt. Sie vermeinen noch ihre Ritzen zu fassen zu bekommen, doch scheinbar entgleitet ihnen der Halt. Werfen sich von Zeit zu Zeit auf, torkeln einige Schritte vor sich, fallen aber alsbald wieder auf ihre Riecher. In ihnen tümmelt sich Säule an Säule, in welchen sich nun wiederum Odeure hochschrauben. So liegen sie auf dem Boden, alle Extremitäten weit weg vom Körper gestreckt. Bar jeglicher eigenverantwortlichen Regung des Körpers, das Gesicht unwirklich entstellt, die Seele hinausgeschoben, auf Wanderung entschickt.
eufelsaugen glänzen feuerrot. Um sie dichtet sich Körper aus Gas. Ein schwellendes Gemisch. Rundet stets die Umrisse neu. Greift in anderes Herz. Hervor qualmt Energie. Diese gebündelt in Gleiten. Gleißendes Licht entstrahlt. Trifft auf Elemente. Reaktion führt zu Bildern. Diese betrachtet. Fallen in heiseres Lachen. Der Körper entleert. Die Seele hinweg. Ein freier Platz in der Hülle. Wir entsteigen ihr. Öffnet sich die Türe weit. Es schneit, es schneit. Hineingeschlichen die Flocken, einer anderen Welt. Das Zelt erobert. Spiele mögen beginnen. Fremde Künstler bauen auf. Bauen auf große Mauer. Diese Mauer bildet neues Haus. In diesem Haus, da wohnen fremde Geister. Ihre Absichten wiegen anders als zuvor. Der eigene Körper zwar noch. Doch der Geist ein Verschiedenes. Dieser aber lenkt nun. Was geschähe. Was passiere. In der Zukunft nun sich öffne. Und was sich eben verschließe. Aus den Gegenständen wollen sie lesen. Ob sie wirklich oder ob sie Schein. Sie stehen ringsum. Warten auf die geistige Erfassung. Spiegelt sich in ihnen das eigene Augenlicht? Oder graben sie tiefe Gräben ins Umfeld?
ir sind in euch. Bewegen euch durch Höllenschlünde, durch Felsklamm, über steinige Wege im Norden, hinüber der Alten Fluß. Im Spiel erkennt unser wahres Wesen. Laßt ab von euren sonstigen Sorgen. Wir bringen euch neue höchste Freuden, an denen wir euch teilhaben lassen. Doch gewiß im Wahren sei euch gesagt, ihr vernehmt diese unsere Stimmen nicht laut in eurem Denken. Wir sind euch in der unteren Schicht mitgegeben, und wenn wir es wagen, unsere Stimmen zu euch zu erheben, so achten wir sorgsam darauf, daß ihr nicht wisst, wie und warum euch geschehen.
ie liegen noch am Boden. Wälzen sich durch den Ruß der gestrigen Freudenfeuer. Brüllen, heulen, weinen im Wahn und schlagen aus. Derweil einer schwebt. Schwebt zwischen Fundament und Dach. Hält beide Arme waagrecht. Schuckt nur jeden Finger in einer Reihe an. Und wenn er mit einer Hand fertig. Dann beginnt er mit der anderen. Wellen breiten sich aus. Erfassen mit ihrer Flut das Kästchen. Aus diesem nun entströmt ein grausig’ Wesen. Sehen’s auch alle? Beugen ihre Oberkörper nach vorne. Nun behaart sind sie. Sie sind weit nach vorne gebogen. Sehen sie’s nun besser? Raunzen geht um. Die Runde spaltet sich in viele Segmente. Eine Kunde aus vielen Mäulern wird hier nicht eins. Zählen sie nun schon auf die Wirklichkeit? Was gehört zu ihnen, was schwimmt vor ihnen? Wollen sie sich stürzen in dieses Meer, dann vergast die Sicht ihnen alle Sinne. Strecken sie weit die Hand in dieses Treiben, dann skelettiert sie ziehen sie zurück.
assen nun den Gedanken. Der fremden Geister. Zu weit gewagt über früh’re Grenzen. Der Sturm sich nun gelegt. Doch ihr Sinnen stets noch gefesselt an die Lüfte. Welche greifen tief in die Seel’. Wollen’s verstehen, was vor ihren Augen leiert. Was aus diesen Kehlen reihert. Doch verlassen haben sie den Körper. Zugleich verschlossen die Türen. Satyren haben sie geweckt. Nun wissen sie nicht mehr. Wo sie gelebt und wo sie entsprungen. Verwischt der Pinsel die Schemen. Die sie zuvor gekannt. Doch trug dort auch schon der Schein das Podest? Auf das sie gestellt, auf dem sie gehegt all’ ihre Leben. Das Licht unterschieden vom Dunkel, die Lüge von der Wahrheit, die Psyche von der Illusion. Nun alles vereint im einzigen Tone, der Stufenbau zerbrochen am Boden liegt. Und sie lachen, heulen und weinen eben, jauchzen hoch.
© Hadit 2002
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