
Der Begriff des Okkulten bezieht sich auf den Bereich des Übersinnlichen, des Verborgenen und des sogenannten Dunklen bzw. den damit verbundenen Kräften und Vorgängen, welche vielfach von den gesellschaftlich anerkannten Wissenschaften bis heute nicht ausreichend erklärt werden können. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Magie, welche sich in ihrer Gesamtheit als eine Nutzung von bestimmten natürlichen und keineswegs mit Geistwesen verbundenen Energien und Kräften beschreiben läßt.
Insbesondere im Bereich des Hardrock und dem sich später daraus entwickelnden Heavy Metal lassen sich Bezugnahmen zu okkulten Lehren erkennen. Eine herausragende Stellung nahm dabei die Band Black Sabbath ein, die zu den kommerziell erfolgreichsten Hardrock-Bands gehörte und sich gezielt mit einem okkulten und satanistischen Image umgab. In den Songtexten, auf den Platten-covern und während der Auftritte wurden immer wieder Elemente entsprechender Lehren und Praktiken aufgegriffen, allerdings zumeist im Stile eines drittklassigen Horrorfilms. Ozzy Osbourne, der damalige Sänger der Band, der auch bei späteren Solo-Veröffentlichungen dieses Image weiter nutzte, betonte dementsprechend mehrfach, daß die okkulte Symbolik reinen Showcharakter habe und in keinster Weise Ausdruck einer tiefergehenden Beschäftigung mit der Thematik sei. Nachdem sich das Verkaufskonzept der Band als erfolgreich erwiesen hatte, wurde es auch von anderen Bands und Musikkonzernen genutzt. In der Oberflächlichkeit ihrer Songtexte und Shows unterschieden sie sich jedoch kaum von Black Sabbath. Eine Ausnahme bildete zu dieser Zeit die Hardrock-Band Led Zeppelin, deren Gitarrist Jimmy Page sich intensiv mit den Lehren Crowleys beschäftigte, im Besitz einer okkulten Buchhandlung war und bewußt in einem Haus lebte, in dem einst auch Crowley selbst wohnte.
Für einen großen Teil der jugendlichen, zumeist männlichen Heavy-Metal-Fans ist die in einigen Fällen blinde Identifikation mit derartigen Bands aber auch ein Ausdruck eines Ausbruchs- und Abgrenzungsversuches gegen die von Eltern, Gesellschaft und System vorgegebenen Werte. Dabei wird jedoch nur ein autoritäres Bezugsfeld durch ein anderes nicht minder autoritäres ersetzt. Generell darf die Bedeutung von okkultistisch beeinflußten Metal-Bands allerdings nicht überschätzt werden. Es ist eine seltene Ausnahme, daß sich Metal-Fans auf Grund von Songtexten okkulten Praktiken zuwenden. Allerdings wird über das Image der Bands eine Akzeptanz und Offenheit gegenüber entsprechenden Anschauungen bewirkt.
Entsprechend totalitäre Positionen gegenüber nicht genehmen kulturellen Ausdrucksformen haben im Christentum bzw. insbesondere in der katholischen Kirche eine lange Tradition. Seit ihrem Bestehen wurden und werden bis heute Menschen, die anders leben als es die Kirche vorgibt, von dieser scharf verurteilt. Dabei liegt es an der gesellschaftlichen Macht der Kirche, ob diese Verurteilung auf eine verbale Ebene beschränkt bleibt oder bis zur physischen Vernichtung der Andersdenkenden reicht. Die Kreuzzüge, die Hexenverfolgung, die christliche Kolonialisierung und die Zusammenarbeit mit faschistischen Regie-rungen sind nur einige wenige historische Beispiele. Die wenigen ChristInnen die sich dieser Politik widersetzten, wurden zumeist verfolgt oder unterdrückt.
Anfang der achtziger Jahre entwickelte sich im Umfeld der Industrial Music ein Musikstil, der im folgenden als Okkulturelle Musik bezeichnet werden soll. Im Gegensatz zum Death Metal wurde er von einer breiteren Öffentlichkeit und entsprechend auch von den christlich-reaktionären Gruppen kaum wahrgenommen, obwohl sich die entsprechenden Bands wesentlich fundierter mit dem Bereich der okkulten Kultur auseinandersetzten. Die Themenbereiche, die sich in den Veröffentlichungen von Current 93, einem der einflußreichsten Projekte aus dem Bereich der Okkulturellen Musik, beständig widerspiegeln, sind die Suche nach dem Sinn der Existenz, die Auseinandersetzung mit Leben und Tod, sowie das Streben nach innerer Veränderung und Erkenntnis.
Vielfach läßt sich nur schwer einzuschätzen, inwieweit die Bands bewußt entsprechende Einstellungen vertreten oder sich nur aus Imagegründen und einer oberflächlichen Beschäftigung heraus auf sie beziehen.Unabhängig davon bilden die Okkulturellen Bands ein Gegengewicht zur illusionären und harmonisierenden New-Age-Musik. Bei vielen Bands sind allerdings auch deutliche Bezüge zu faschistischen Positionen zu erkennen. Zumeist wurzelt dies in einem falschen Verständnis von heidnischen oder okkulten Lehren, sowie zum Teil in einem mystifizierten Bild des deutschen Faschismus, dessen menschenverachtender Charakter dadei immer wieder in einer gefährlichen Weise verschleiert wird.
Die Band A Place To Pray aus Norwegen gehörte zu den wenigen Gruppen, die zumindest tendenziell ein anarchistisches Selbstverständnis mit okkulten Gedanken verbanden und gleichermaßen mit linken gegenkulturellen Projekten wie mit okkulten Gruppen zusammenarbeitete. Die Bandmitglieder erhoben allerdings keinen Anspruch auf die Verkündung eines einzig wahren Weges. Olav Hagen schrieb dazu: ”Wir haben kein Recht, jemanden unseren Glauben aufzuzwingen. Wir haben nur das Recht nach unserem Willen zu leben, ohne andere zu beeinträchtigen.”(12) Musikalisch reichte das Spektrum der Veröffentlichungen von experimentellen Aufnahmen bis zu traditionell aufgebauten Stücken mit einer ruhigen, düsteren Ausstrahlung.
© Hadit 2002
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