Cover Zoltán Szabó/Ingrid Szabó
Geheimnis der Namen
Runenkombinationen für Namensdeutung und Orakel

Das Buch geht von einer interessanten und vielversprechenden These aus: Ein Wort als Sprachbestandteil ist aus Buchstaben zusammenge- setzt, die wiederum mit Lauten assoziiert sind. Durch diese Kombination Buchstabe/Laut kann man Zusammenhänge mit den Runen als Ur-Schrift (Buchen-Stäbe) herstellen. Dadurch daß Runen nicht nur einfache Zeichen sind, sondern komplexe symbolische Gebilde mit einem tieferen Sinngehalt und Verbindungen zu Mythen, Göttern, Kosmologie und Ahnenwissen, taucht man auf diesem Wege in die Tiefe des Wortes und erkundet eine andere Ebene seiner Bedeutung. Die Autoren benutzen dieses Verfahren für eine divinatorische Praxis, indem sie Personen-Namen auf diese Weise analysieren und als Orakel für innere und äußere Eigenschaften des Menschen und sein Schicksal bzw. seine Lebensaufgabe nutzen. Soweit so gut, da es aber eine Unmenge an Namen gibt, wird die Analyse kurzerhand auf die Initialen des Vor- und Zunamens reduziert, die ein Runenpaar bilden. Diese Runenpaare sind nun im einzelnen aufgeführt und gedeutet. Der dabei betonte recht flapsiglockere Stil ist Geschmackssache. Obwohl die Autoren kurz erwähnen, daß man Namen auch in einzelne Silben zerlegen oder gar für jeden Buchstaben eine Rune zugrundelegen kann, wird diese Praxis leider nicht näher mit Beispielen unterlegt. Die Autoren schöpfen offensichtlich aus der ariosophischen Tradition und so steht und fällt ihr ganzes Verfahren mit der Einstellung des Lesers zu dem von ihnen verwendeten Armanen-Futhark aus 18 Runen. Es wurde von Guido von List auf der Basis von Odins Runenlied in der Edda aus dem nordischen Wikinger-Futhark entwickelt. Obwohl es ein in sich geschlossenes und esoterisch überzeugendes System darstellt, muß man es als eine Art Kunstschöpfung ansehen, denn es gibt keine historischen oder archäologischen Artefakte, die diese Runenreihe so darstellen. Da das deutsche Alphabet nun einmal 26 Buchstaben enthält, müssen mehrere Laute auf eine Rune reduziert werden (also z.B. G, K, Q, C, X auf Kenaz oder Kan). Meines Erachtens liegt aber das sogenannte Ältere Futhark mit 24 Runen viel näher am heutigen Alphabet und es gibt eigentlich keinen Grund auf das Armanen-Futhark zurückzugreifen. Die Begründung der Autoren, warum sie es doch tun (der sogenannte „Sachsendreh") erscheint in meinen Augen - sorry - als reinster Schwachsinn und liefert eigentlich eher ein Argument für ein Aufgreifen der älteren Runenreihe. Bei diesen ganzen Überlegungen merkt man wieder, wie sehr uns Europäern eine stimmige Überlieferung fehlt und wieviel man sich aus Fragmenten zusammenreimen muß. Das trifft gerade auch auf die Runen zu. Grundsätzlich sei jedoch gesagt, daß das divinatorische Verfahren der Autoren trotz aller spekulativen Unsicherheiten doch zu überraschenden Assoziationen und Zusammenhängen führen kann. Ich bin mal so frech zu behaupten, daß dies nicht das Verdienst der Autoren ist, sondern eher ein Produkt der esoterischen Tiefe der Runen. Es ist zweifellos das Verdienst ariosophischer Denker, auf den Zusammenhang von Runen, Ursilben, Ursprache und esoterischer Bedeutung hingewiesen zu haben. Dieses Vordenken birgt noch manchen tiefen Schatz in sich, der gehoben werden will. Es mag zur Popularität dieses Wissens beitragen, wenn man es auf Psychologismen und divinatorische Spiele anwendet - mit einer gewissen Oberflächlichkeit als Nebenwirkung. So hätte dem Buch nicht zuletzt auch eine Literatur- und Quellenübersicht sehr gut getan, um dem Leser ein Fortschreiten in eigenen Studien zu ermöglichen.
FC

Erschienen ist das Buch bei Neue Erde Verlag, Saarbrücken 2000
ISBN 3-89060-033-6
29,80 DM

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