Clemens H. Zerling Als Neuerscheinung präsentiert der AT-Verlag - wie immer in ausgesprochen seriöser und qualitativ hochwertiger Aufmachung - diesen „Führer zu magisch-mystischen Orten" in Deutschland - kurz ein neues Kultplatzbuch. Um es etwas drastisch zu formulieren, erscheint dieses Buch als eine Mischung aus fleißig und anschaulich zusammengetragenen Informationen zu zwanzig mehr oder weniger bekannten heidnischen Kultplätzen und historisch bedeutenden Heiligtümern und dazwischen ausgestreuter platter Oberflächlichkeit. Nach einem nichtssagenden Vorwort und einer Einleitung, die mit so tiefgründigen Weisheiten wie „Ein Kultplatz ist ein Platz, an dem ein Kult stattfand oder noch stattfindet." aufwartet und die man (nicht nur) deswegen ebenso vergessen kann, findet der interessierte Leser in weiteren Kapiteln das eigentliche Gerüst des Buches, das Plätze wie Loreley am Rhein, den Kyffhäuser in Thüringen, den Engelberg im Odenwald, die Venushöhle im Hörselberg, (unvermeidlich) die Externsteine, den Questenberg, den Ottilienberg im Kraichgau u. a. mit Überlieferung, Kulturgeschichte, Sagen, Mythen und praktischen Hinweisen (Anfahrtswege, Sehenswürdigkeiten, Museen usw.) vorstellt. Für sich allein interessant und erwähnenswert „Der besondere Tip" am Ende des jeden Kapitels nachgestellten „Steckbriefs", der Bezüge zu anderen nahegelegenen und weniger bekannten magischen Orten herstellt und die Lust weckt, diese - sicher nicht so touristisch okkupierten - Plätze aufzusuchen.
Der Autor versucht offensichtlich den Spagat zwischen dem sowieso für dieses Buch erwarteten heidnisch orientierten Interessentenkreis und einer weitergefaßten und daher auch eventuell christlichen Leserschaft, die nach einem Reiseführer zu solchen Stätten sucht. So durchzieht das Buch wie ein roter Faden die stetige Mahnung, doch alle alten Götter und Wesenheiten als Ausdruck des einen Gottes zu sehen, der „Allmacht" und „Einheit" oder als „der wahre, unsichtbare Gott als Allvater", und wie eine verblichene monotheistische Perlenkette reihen sich Erbaulichkeiten wie „Gott ist Licht", „Gott ist Stärke" oder „Gott ist Fülle" (die restlichen ersparen wir uns) aneinander. Daß er dabei sogar um solch plakativen Unsinn wie „Trotzdem formte das Christentum den Menschen, verwies ihn auf die höchsten Tugenden und auf eine ethische Lebensführung." (mir kommen gleich die Tränen vor Rührung) nicht herumkommt, ist schon fast ein Ärgernis ...
Obwohl es an anderen Stellen des Buches auch Hinweise auf christliche Bekehrer und „Störer" gibt, mutet die für unsere Kultur so überaus schmerzliche Christianisierung, deren Ergebnisse gerade an den uralten Kultplätzen so offensichtlich zutagetreten, hier wie ein historisches Spiel an, bei dem „Gottsucher" im Zuge der Geschichte einfach ihr Mäntelchen wechseln und weiterexistieren, als ob nichts gewesen wäre. Da verwundert es dann kaum noch, wenn vor dem „gefährlichen Zauber" der Gegend um die Externsteine gewarnt oder als Grund für heute verlassene Kultplätze die einstige Verehrung „niederer Prinzipien" angegeben wird. Derartiger esoterischer Kaffeesatz von gestern weckt höchstens noch Stirnrunzeln ...
Nichtsdestotrotz will ich nicht ungerecht sein. Die umfangreichen Informationen, Geschichten und mythischen Berichte zu den einzelnen Plätzen werden sicher die Sehnsucht wecken, selber zu den heiligen Zentren unserer Ahnen zu pilgern, so wie es seit Jahrtausenden geschah und in diesem Sinne manches Reisegepäck bereichern. Und das ist doch schon mal was ...
FC