Akron / Voenix Ich kenne viele Leute (die an intellektuellen Höhenflügen nie genug bekommen können, einem Rausch gleich hasten sie von einem anspruchsvollen Buch zur nächsten geistesfördernden Lektüre), die sich vor Comicstrips fürchten wie der Teufel vor dem Weihwasser. Man kann natürlich viele Gründe anführen (einfache, schematische Handlung; Dominanz von visuellen Eindrücken und damit zusammenhängend restriktive Dialogisierung; triviale Themen, die nicht den Abstraktionsgrad von Büchern erreichen können), doch existiert schon seit einigen Jahrzehnten auf dem Massenmarkt ein sicherlich nicht sehr erfolgreiches Segment: der sog. Autorencomic, oft mit Namen wie Möbius verbunden. Doch daß nun im esoterischen Bereich auch Comics fruchten können, erscheint wohl vielen als eine Tollkühnheit; besonders belächelt wird nun auch der Arun-Verlag, der sich dieser Herausforderung nach vielen Querelen widmet (vgl. Presse). Und was hier in diesem „philosophischen Comic der ganz besonderen Art" (O-Ton Klappentext) aufbereitet wird, ist fürwahr eine Herausforderung an den Geist ohnegleichen. Besonders der Illustrator Voenix macht sich ja derzeit in der Blätterwelt einen großen Namen, und dies nicht zu Unrecht, meiner Meinung nach: die äußerst schwer verdaulichen Abstraktionen des Schweizer Okkultisten Akron (u.a. auch bekannt durch ‚Baphomet. Das Tarot der Unterwelt‘ mit Giger-Illus), die dieser aus der Beschäftigung mit Dantes ‚Divina Commedia‘ gewinnt, werden durch die direkte visuelle Umsetzung von Voenix dem Verständnis des Lesers näher gebracht. Und gerade in diesem Wesensmerkmal sehe ich die Zukunft des esoterisch-philosophischen Comics: die Aufbereitung von sprachlich schwer formulierbaren Thesen in bildlicher Kunst. Dies hat den Vorteil, daß die Leserschaft anhand der ausdrucksstarken Bilder (die dem Zweigespann hier in diesem 1. Band auf jeden Fall gelungen sind) eine Reise in die Unterwelt unternimmt, unter astrologischen Zeichen. Die Assoziationen, die sich aus einer intensiven Beschäftigung mit diesem Werk ergeben, sind zu zahlreich, als daß ich hier auf diesem begrenzten Platz noch näher darauf eingehen könnte. Dieser Comic dient nicht nur zur Unterhaltung, sondern in erster Linie einem Kennenlernen der eigenen seelischen Grundmuster, aus denen sich wiederum Persönlichkeiten bilden können. Schließend kann ich nur noch hinzufügen: Ich bin be-ein-druckt oder soll ich sagen: ge-bild-et? Die Reihe wird übrigens halbjährlich fortgesetzt. Es erscheinen insgesamt 8 Bände.
Bard Miraclyst