Die sich nicht an die Vergangenheit erinnern,
sind verdammt, sie zu wiederholen
Eine Einführung zum Temple ov Psychick Youth
Willst Du die Droge des Alltäglichen aufsaugen?
DIE SIGIL DER 3 FLÜSSIGKEITEN
Dieses Ritual sollte allein durchgeführt werden, am 23ten des Monats, beginnend um 23 Uhr, an einem Ort, an dem man keine Störungen oder Ablenkungen duldet. Innerhalb der Grenzen des Praktikablen solltest Du die Umgebung und Atmosphäre der Herstellung dieser Sigil für Dich selbst so förderlich wie möglich gestalten.
Wenn irgend möglich, sollte eine Kerze die einzige Lichtquelle sein.
Diese Sigil muß nackt geschaffen werden.
Eines der Ziele des Rituals ist es, Deine Aufmerksamkeit und Energie auf Deine intensivste sexuelle Phantasie zu konzentrieren. Dazu mußt Du zuerst entscheiden, was diese sei und sie auf ein Stück Papier niederschreiben. Es sollte jene sein, von der Du denkst, daß sie in Dir die maximal mögliche Erregung, Befriedigung und Erfüllung erzeugt, ungeachtet der Identität, des Geschlechtes oder Alters jener, welche mit Dir daran teilhaben, lebendig und schuldlos. Es ist unerläßlich, sich selbst gegenüber völlig ehrlich zu sein und nicht irgend etwas zu schreiben, weil man denkt, es könnte andere Leute zufriedenstellen - erinnere Dich, der Sinn der Sigil ist es, diese Dinge wirklich geschehen zu lassen.
Sobald Du die Phantasie auf das Stück Papier geschrieben hast, mußt Du das Papier speziell präparieren. Um dies zu tun, muß es von den drei Flüssigkeiten Deines Körpers berührt werden. Diese sind Spucke, Blut und OV, welches der Tempelname für die Flüssigkeiten ist, welche durch Masturbation erlangt werden - Samen vom Mann und den Mösensaft der Frau.
Laß zum Beispiel zunächst ein paar Tropfen Spucke auf die Seite fallen, als nächstes ein paar Tropfen Blut. Du mußt irgendein scharfes, sauberes Instrument dazu benutzen. Erinnere Dich, daß nur eine kleine Menge benötigt wird - und Du solltest Deinen gesunden Menschenverstand in Bezug auf die Methode und die Hygiene, sowohl davor als auch danach, benutzen.
Zuguterletzt bringe Dich, auf welche Art auch immer es am vergnüglichsten für Dich ist, zum Orgasmus und erlaube Deinem OV, das Papier zu benetzen. Während Du dies tust, konzentriere Dich nicht nur auf die eingeschriebene Phantasie, sondern auch auf die Idee des Tempels und jene Tatsache, daß die Erstellung dieser Sigil Dich unvermeidlich dem, was Du wirklich willst, näherbringt. Du mußt sodann eine Locke Deines Kopfhaares und auch etwas Schamhaar auf dem Papier anbringen. Erinnere Dich, daß diese 2 Haarsorten und 3 Flüssigkeiten auf dem Sigil-Papier in jeglicher Weise vereint werden können, die sich zu den Gedanken passend, die dort eingeschrieben sind, anfühlt.
Die oben umrissenen grundlegenden Handlungen sollten nicht als Begrenzung angesehen werden.
Laß das Sigillenpapier über Nacht an einem sicheren Platz trocknen. Am nächsten Tag schicke es an die Niederlassung(15). Du mußt Deinen Namen nicht an dem Sigillenpapier befestigen, wenn Du nicht willst. Jede Einreichung an den Tempel bleibt jederzeit absolut vertraulich und wird in einem verschlossenen Tresor gelagert.
Sigillen müssen in einem Plastiktütchen oder -Umschlag geschickt werden.
Sigillen sind ein direktes Mittel, das, was Du geschehen lassen willst, wahrscheinlicher geschehen zu lassen. Doch sie sind recht verschieden von Systemen, welche auf Glauben und falschen Versprechungen basieren. Sie können nichts garantieren, sie können nur dabei helfen, das bereits innewohnende Potential freizusetzen. Und da es ein System für das Individuum ist, gibt es keinen richtigen oder falschen Weg; was für eine Person richtig ist, kann völlig unpassend für eine andere sein. Daher ist die Methode eine, die persönlich entwickelt werden muß, sodaß die Sigil, wie sie von Dir ausgeführt wird, etwas ganz und gar von Dir Gemachtes ist, das Deine eigene Persönlichkeit und Erfahrungen reflektiert.
Wir bieten lediglich Anleitung und Ermutigung, nicht Unterweisungen und Regeln zu gehorchen. Wir überlassen diese den Kontrolleuren, jenen, die versuchen, Uniformität des Denkens zu erzeugen und die sich bemühen, eine passive und willfährige Bevölkerung zu schaffen, die entlang starrer und konditionierter Linien denkt, unfähig, die Verantwortung für ihre eigenen Leben und Handlungen zu übernehmen.
Falsch, wie sie in den Massenmedien verkündet werden: Daß, wenn Du dieses tust, Du nicht jenes tun kannst; wenn Du dieses denkst, Du nicht jenes denken kannst. Es ist ein System, welches das Individuum zerstört, die Fähigkeit zum Denken, Infragestellen, die Hand des Schicksals zu zwingen zerstört, Deinen Willen zerstört, dem gemäß zu leben, der Du wirklich bist und nicht gemäß dem, von dem sie sagen, daß Du es seiest.
Sigillen zerbrechen diese Konditionierung, erwecken die Möglichkeit der Veränderung und des Experimentierens, geben damit die Freude eines Lebens, das reich an Erfahrung und Herausforderung ist, zurück. Sigillen haben genausoviel mit Lernen zu tun wie mit irgend etwas anderem. Nicht nur die Methode, die für Dich funktioniert, zu erlernen, sondern auch zu erfahren, wer es ist, der Du wirklich bist, was es ist, das Du wirklich willst. Ein Resultat davon ist, daß es einige Zeit dauern kann, bevor Du die Arbeitsmethode entdeckst, die für Dich am besten ist, und Du könntest feststellen, daß die Ergebnisse Deiner Sigille nicht so ausfallen wie erwartet. Dies ist nicht das Ergebnis davon, etwas falsch verstanden zu haben, es ist die natürliche Antwort, die durch die ersten Schritte auf einer Straße der Entdeckungen erzeugt wird.
Zum Beispiel mögen die Dinge nicht in der Reihenfolge geschehen, die Du erwartet hattest oder sie können eine andere Form einnehmen. Die Identität der einbezogenen Leute könnte unerwartet sein. Doch wenn Du die Ergebnisse Deiner Arbeit genau und ehrlich untersuchst, wirst Du feststellen, daß diese Unterschiede, diese Bewegungen weg vom Vorgefaßten, das wahre Ziel, das in der Sigil verborgen ist, widerspiegeln, ihre zugrundeliegenden Qualitäten.
Der Grund dafür ist, daß Dein bewußtes Bild nicht das wirkliche Objekt Deiner Begierde ist; der bewußte Wunsch ist letztlich als Subjekt den konditionierten Antworten unterworfen, die zu zerbrechen die Sigil ersonnen wurde. Die Ergebnisse sind oftmals ausgedehnter, als Du Dir erträumt haben könntest, radikaler, als Du bewußt zu hoffen gewagt hättest. Einfach gesagt: was Du erwartest, ist nicht immer, was Du wirklich willst. Und was Du denkst, das Du willst, ist nicht immer, was Du wirklich willst.
Fortsetzung in DER GOLEM, Ausg. Nr. 5
Eine weitere deutsche Übertragung eines TOPY-Textes ("Television Magick") ist in der Newsgroup FIDO.GER.MAGIE zu finden.
Anmerkungen: