Cover Voenix
Weltenesche - Eschenwelten

Thomas Vömel, als Maler und Autor Voenix, macht von sich reden. Soviel ist schon mal klar. Während er mit seinem älteren Kartenset „Magie der Runen" wohl nur Insidern bekannt war, hat er jetzt beim Arun Verlag seine schriftstellerische Heimat gefunden und produziert neue und vielversprechende Bücher (u.a. auch zusammen mit Akron „Dantes Inferno").
„Weltenesche - Eschenwelten" ist ein gewaltiges Werk und in dieser Form einzigartig. Auf über 450 Seiten findet man fast alle Götter und Göttinnen des nordisch-germanischen Pantheons in einer traditionell ausgerichteten, trotzdem aber psychologisch tiefgründigen Darstellung - natürlich allesamt vom Autor illustriert. Die Bilder - in einer Stilmischung von alten, keltisch-germanischen Symboliken und moderner Fantasy - mögen nicht jedermann Geschmack sein (eine nacktbrüstige Freya fand offensichtlich auch KritikerInnen), kraftvoll und vielschichtig sind sie allemal. Die Illustrationen gibt es auch als Kartenset zum Orakeln, doch ehrlich gesagt habe ich den orakelnden Zugang zu Buch und Karten bisher nicht gefunden. Für mich liegt der außerordentliche Wert des Buches vor allem im Charakter eines Kompendiums zum Nachschlagen, Mythologisieren, Träumen, Imaginieren und Geschichten erzählen. Wenn man einmal von trockenen Fachbüchern über germanische Religion absieht, gibt es kaum Anregenderes zum Thema als „Weltenesche ...".
In sehr umfangreicher und aufwendiger Art und Weise hat Voenix auch zahlreiche Entsprechungen - Bäume, Pflanzen, Tarot, Astrologie, Runen usw. - zusammengetragen. Allerdings verstehe ich das auch als Aufforderung, selbst über stimmige Korrespondenzen im Sinne eines individuellen Systems nachzuforschen, nicht dagegen als fertiges orthodoxes Paradigma.
Ein wesentlicher Zug von Voenix’ Arbeiten besteht auch darin, daß er Sinneslust, Sex und Körperbewußtsein nicht verdrängt (wie so oft in der lichtgesättigten Eso-Szene), sondern sowohl inhaltlich als auch gestalterisch einbezieht, diskutiert und abbildet. Das ist unkonventionell, mutig und nicht zuletzt wichtig und ruft in der Tat die Zensoren des Buchmarktes auf den Plan (Hugendubel hatte den zugesagten Druck von „Dantes Inferno" aus diesem Grund wieder abgesagt). Doch ein Freyr ohne Phallus ist nunmal kein Freyr und die in allen Mythen als außerordentlich lustfreundlich geschilderte Freya kann auch nicht zur harmlosen „Heidi" mutieren. In diesem Sinne sollten wir uns die archetypischen Bilder und Geschichten unserer Ahnen auch nicht wegnehmen lassen, sondern sie aufgreifen, mit unseren eigenen Gedanken und Emotionen lebendig machen und weitertragen. Weiter so, Voenix, und nicht entmutigen lassen! In der Innenseite des Buchumschlags findet sich noch ein farbig gedrucktes Legeschema/Poster zu den neun Welten der germanischen Mythologie als Zugabe, die wohl beim Blick auf den Preis des Buches etwas trösten soll.
FC

Erschienen im Arun Verlag, Engerda 2000
ISBN 3-927940-54-2
68,00 DM

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