Im Jahre 1581 begann der englische Mathematiker und Gelehrte Dr. John Dee [1] mit spiritistischen Experimenten, um mit Engeln in Kontakt zu treten. Sein wissenschaftliches Ziel war es, tieferes und vollständigeres Wissen über das Universum zu erhalten. Das was ihm die damaligen Wissenschaften vermittelten, erkannte Dee als unvollständig und fehlerhaft. Er selbst war nicht medial begabt, also bediente er sich verschiedener Medien. Mit dem Medium Edward Kelly [2] erzielte er die überzeugendsten Resultate. Das Gespann bekam von verschiedenen Wesenheiten unter anderem ein magisches System und 19 Schlüssel in einer Sprache, die sie "Engelssprache" nannten, diktiert. Dee und Kelly arbeiteten mit dem System mit wechselndem Erfolg und gingen später wieder getrennte Wege. Da Dee um seinen Ruf fürchten mußte, wenn seine magischen Aufzeichnungen in falsche Hände gerieten, versteckte er die Manuskripte unter dem doppelten Boden einer Kiste. Jahrzehnte später, nach einem Hausbrand, fand Elias
Ashmole die Manuskripte Dees und kopierte sie. Nach Ashmole verschwindet Dees Entdeckung wieder von der Bildfläche. Die henochische Magie taucht erst wieder im "Hermetic Order of the Golden Dawn" [3] auf, wo das Fundament, welches Dee legte, zu einem komplexen und vielschichtigen System ausgebaut wurde. Der erste Mensch, der alle 30 Aethyre [4] bereiste und seine Erfahrungen auch niederschrieb, war Aleister Crowley. Sein Werk "Liber CDXVIII The Vision and The Voice" beschreibt seine Visionen und auch, wie er sie erlangt hat.
Nach einer intensiven schamanischen Arbeit, die sich über 24 Stunden hinzog und in der ich die verschiedenen Bardo-Zustände des tibetischen Totenbuches durchlebte, fiel mir die Ähnlichkeit der henochischen Aethyre mit den im tibetischen Totenbuch dargestellten Bardo-Zuständen auf, nur daß im Henochischen 30 und im Totenbuch 4 verschiedene Stufen aufgezählt werden. Diese Parallele ist ziemlich auffällig, wenn man sich mit beiden Systemen beschäftigt hat, und läßt einiges über den Ursprung des tibetischen Textes vermuten. Abgesehen von dieser Entdeckung wurde mir mal wieder klar gezeigt, daß es im Westen genauso wertvolle Einweihungssysteme gibt, wie im Osten. Durch die schamanische Reise und die Anwendung des 19. Schlüssels lassen sich die Aethyre nach und nach erschließen. Die 30 Aethyre können nur in aufsteigender Reihenfolge bereist werden. Das erklärt, weshalb einige Autoren wie Schueler oder James eine konzentrische Darstellung der Aethyre beschreiben, wobei der innerste, der 30. Aethyr, der irdischen Sphäre am nächsten ist. Schueler ging soweit, die Erde als Planet den 30 Aethyren ins Zentrum zu setzen, was eine sphärische (d.h. dreidimensionale) Anordnung der Aethyre impliziert. Die Natur der henochischen Welten, die bereist werden können, unterscheidet sich von den bekannten schamanischen eigentlich nur in der Art des Erreichens. Auffallend ist, daß die Aethyre unglaublich intensive Erfahrungen vermitteln und längst nicht so berechenbar sind, wie die normale schamanische Unterwelt oder die Elementarebenen. Im henochischen Schamanismus gibt es hunderte von verschiedenen Elementarebenen und dreißig "Oberwelten" - die Aethyre. Ich stelle mir (als Beispiel einer alternativen Darstellung) einen gigantischen Weltenbaum vor, an dessen Stamm ich die Aethyre erreichen kann und der in der Unterwelt verankert ist. Die Elementarebenen sind überall gleichzeitig in diesem Bild - quasi als Folien übereinandergelegt bilden sie das wahrnehmbare Universum ab. Dieser Einfluß wird bei den Aethyren durch die verschiedenen Regenten deutlich, die aus den Elementartafeln abgeleitet werden. Um einen Aethyr zu bereisen, vibriere ich den 19. Schlüssel und füge den Namen des Aethyrs ein. Die Vibration muß fehlerfrei und fließend sein. Sie findet im schamanischen Bewußtseinszustand statt, in der Geisterwelt, wobei die Vibration auch in der alltäglichen Realität durchgeführt wird, um den Faden nicht zu verlieren und um die Effizienz zu steigern. Ich arbeite bei der Erforschung der Aethyre mit einem Diktiergerät, das alle meine Äußerungen aufzeichnet, die ich während einer Exploration eines Aethyrs mache. Die Auswertung meiner Erinnerungen und des Tonbandes ermöglichen eine genaue Darstellung der gemachten Erfahrung. Empfehlenswert ist es, erst dann z.B. Crowley zu Rate zu ziehen, wenn man den Aethyr abgeschlossen hat, und man weiterschreiten will. Dabei wird schnell klar, das die Erfahrungen der Aethyre sich nach dem Symbolsystem orientieren, welches der Bereisende verinnerlicht hat, auch wenn die Erfahrung an sich immer dieselbe sein wird (nur eben gekleidet in die Symbolsprache des Reisenden). Die Bearbeitung der Aethyre kann eine Lebensaufgabe sein, und viele Jahre dauern.
Über die Elementararbeiten
Beim henochischen Geisterrufen verzichte ich auf Pentagramm und ähnliches und benutze die Namen und deren Übersetzung, die ich erstmals bei Gerald Schueler gefunden habe (Schueler gilt als umstritten, was seine praktischen Ausführungen zum Henochischen betrifft). Die Elementarkönige kann man sich wunderbar als elementare Urgewalten imaginieren.
Ein sehr interessantes, weil unmittelbar erfahrbares und spürbares, Gebiet des henochischen Schamanismus ist die Manipulation der Naturkräfte. Kurz gesagt, der Schamanenhexer verschmilzt mit der aktuellen Wetterlage und führt dann eine Korrektur des Vorgefundenen durch, um sein Ziel zu erreichen. Dazu zur Illustration ein Beispiel: Seit Tagen herrscht eine Gluthitze, keine Wolke ist am Himmel, ein abkühlender Regenschauer ist längst überfällig. Der Hexer vibriert einige Zeitlang MPH ARSL GAIOL (Übersetzung: Der er der erste wahre Schöpfer ist - der Gehörnte. Der große Name der Wassertafel), um eine adäquate Verbindung mit dem Element Wasser zu erhalten. Dann nimmt der Hexerschamane die Gestalt des Wassers in der Natur an - Seewasser, Grundwasser oder einfach nur Wasserdampf. Er läßt sich langsam von der Sonne verdunsten und als Dampf in die Luft steigen. Oben angekommen läßt er sich zu Wolken verdichten und schließlich abregnen. Wichtig ist bei dieser Methode, möglichst intensiv mit dem Element zu verschmelzen, aber dabei nicht die Kontrolle zu verlieren oder den Zweck zu vergessen. Die Verschmelzung selbst sollte ohne Hast und Erfolgsdruck durchgeführt werden - wenn man mit sich selbst unzufrieden ist oder an andere Dinge denkt, klappt kaum ein magisches Werk. Spares "Neither - Neither" kommt hier zur vollen Geltung.